Lieder und Gedichte

Lieder und Gedichte
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Fels der Zeiten

Fels der Zeiten sei du mir
Ein Ort der Zuflucht für und für
Warst aufgeschlagen mir zugut
‚S quoll Wasser und dein teures Blut
Lass mich zweifach erlöset sein
Vergib die Schuld und mach mich rein!

Alle Mühen meiner Seel‘
Zu tun dein Wort, sie schlagen fehl
Wenn ich auch weine Tag und Nacht
Und ohne Ruh‘ dir Dienst gebracht
Das sühnt mir Adam nichts vor dir
Nur du machst frei und siegst in mir

Leere Hände streck‘ ich hin
Zum Kreuz wo ich geborgen bin
Ja kleid‘ mich elend Nackten ein
Dein‘ Gnad‘ lass meine Zierde sein
Mein schmutzig‘ Herz wasch rein o Gott
Sonst ich vergeh‘ in meiner Not

Atm‘ ich auch noch flüchtig hier
Wag‘ ich zu sterben nur in dir
Du hebst mich hoch in heil’ges Licht
In Herrlichkeit und zum Gericht
Dann Fels der Zeiten sei du mir
Ein Ort der Zuflucht für und für

Heino Weidmann übersetzt nach „Rock of Ages“ von Toplady

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Gibt es unter der Sonne ein Sein
das buhlt mit dir mein Herz zu teilen?
Ach reiß es fort und regier´ allein,
Herr all meines Herzens Weilen!

Gewähr, dass wohnet in mein Seel`
nichts als dein´ Liebe rein!
Mög´ sie regier´n mich ohne Fehl
du Freud´, Schatz, Krone mein!
Entreiß fremd´s Feuer des Herzens Triebe
mein Tun, Wort, Sinn sei lauter Liebe!

John Wesley

Requies in sanguine Christi;
firma fiducia in Deum,
et persuasio de gratia divina;
tranquillitas mentis summa,
atque serenitas et pax;
cum absentia omnis desiderii carnalis,
et cessatione peccatorum etiam internorum.

Arvid Gradin, Deutschland

Ruhe im Blut Christi;
ein festes Vertrauen auf Gott
und die Gewissheit der göttlichen Gunst;
vollendete innere Ausgeglichenheit,
Sorglosigkeit und Seelenfrieden,
einhergehend mit einer Befreiung
von jeglichem fleischlichen Verlangen
und einem Ende aller, auch innerer Sünden.“

Hymns and Sacred Poems, Charles and John Wesley 1739

(wörtlich)

Wende den Herbststrom der Natur,
lass alle unsere Handlungen sich dir zuneigen,
dir, ihrer Quelle; deine Liebe der Führer,
deine Herrlichkeit ist das Ziel.
Dann wird die Erde der Maßstab für den Himmel sein.
Einsicht wird den Weg zeigen,
die Geschöpfe werden alle zu dir führen,
und alles, was wir schmecken, möge Gott sein.

(gereimt)

Kehr um den herbstlichen Fall der Natur
sich neige zu dir unser Tun auch wieviel
ihrer Quelle; deine Liebe allein führe nur
deine Herrlichkeit sei unser Ziel.
Dann Erd´ für den Himmel bereitet uns vor
Einsicht weist uns die herrliche Straße
all´ Kreatur führt zum himmlischen Tor
wir kosten Gott nur im höchsten Maße

***

Herr, bewaffne mich mit der Macht deines Geistes.
Denn ich werde nach deinem großen Namen genannt:
In dir vereinen sich meine umherschweifenden Gedanken.
Du mögest das Ziel aller meiner Werke sein:
Deine Liebe begleitet mich alle meine Tage,
und mein einziges Anliegen sei dein Lob.

Ich verzehre mich nach dir, bitte und seufze,
so stark sind die göttlichen Grundsätze
unnachgiebig süß wirken sie in mir
bis meine ganze geheiligte Seele dir gehört
getaucht in der Gottheit tiefstes Meer
und verloren in deiner Unermesslichkeit!

Himmlischer Adam, göttliches Leben,
verändere meine Natur in die deine;
zieh durch meine Seele und durchdringe mich
treibe mich an und erfülle mich

***

Herr, ich glaube, dass eine Ruhe bleibt,
die dein ganzes Volk kennt;
Eine Ruhe, wo reine Freude herrscht,
und du allein geliebt wirst;
Eine Ruhe, in der sich alle Wünsche unserer Seele
auf die Dinge oben ausrichten;
Wo Zweifel, Schmerz und Angst vergehen
und durch vollkommene Liebe vertrieben werden.

Von jeder bösen Neigung befreit
(der Sohn hat uns frei gemacht)
treten wir in herrlicher Freiheit
auf alle Mächte der Hölle.
So zu leben macht uns sicher,
über Tod, Erde und Hölle erheben wir uns;
Wir finden, wenn wir in der Liebe vervollkommnet sind,
unser lang ersehntes Paradies.
O dass ich jetzt diese Ruhe erkennen,
glauben und hinein gehen möge!
Jetzt, Erlöser, jetzt rüste mich mit Kraft aus,
und lass mich aufhören zu sündigen!
Entferne diese Härte aus meinem Herzen,
diesen Unglauben:
Gib mir die Ruhe des Glaubens, den Sabbat deiner Liebe.
Komm, mein Erlöser, komm in meine Seele hinab!
Halte dich nicht mehr länger vor deinem Geschöpf zurück,
mein Schöpfer und mein Ziel.

Die Glückseligkeit, die du für mich bereitet hast,
soll nicht länger auf sich warten lassen:
Komm, mein überaus großer Lohn,
für den ich zuerst gemacht wurde.
Komm, Vater, Sohn und Heiliger Geist,
und versiegle mich als deine Wohnstätte!
Lass alles, was ich bin in dir aufgehen,
ja lass es aufgehen in dir!

Hymns And Sacred Poems, Charles and John Wesley 1742

Retter von der Sünde,
ich warte darauf zu beweisen,
dass Jesus dein heilender Name ist;
darauf zu verlieren,
wenn ich in der Liebe vervollkommnet bin,
was ich habe, oder kann, oder bin;
ich stütze mich auf dein treues Wort:
„Der Knecht wird wie sein Meister sein.“

Führe das gnädige Werk in mir aus,
für das dein kostbares Leben hingegeben wurde;
erlöse mich von aller Schlechtigkeit,
stelle mich wieder her
um bereit für den Himmel zu werden.
Nur wenn du meine Befleckungen austilgst,
sind dein Leiden und mein Glaube nicht vergeblich.
Bist du nicht dafür gestorben,
damit ich nicht mehr mir, sondern dir lebe,
dass ich Leib, Seele und Geist dem gebe,
der sich für mich hingegeben hat?

Dann komm, mein Meister und mein Gott,
nimm den geliebten Kauf deines Blutes.
Beanspruche deinen eigenen besonderen Diener für dich,
um deiner eigenen Wahrheit und Barmherzigkeit willen;
Heilige in mir deinen herrlichen Namen;
nimm mich in diesem Augenblick als dein Eigentum an;
und ändere und reinige mich durch und durch;
dir allein möge ich leben und sterben.

***

Erwählt aus der Welt, in der ich jetzt stehe,
geschmückt mit göttlicher Gerechtigkeit;
wenn, in das gelobte Land gebracht,
ich zu Recht den Erlöser mein nenne;
Den heilig machenden Geist gieße aus,
um meinen Durst zu stillen und mich rein zu waschen,
nun, Erlöser, lass den gnädigen Schauer herniedergehen
und mache mich rein von Sünde.
Säubere mich von jeder sündigen Befleckung:
Alle meine Götzen sollen fortgeschleudert werden;
befreie mich von jedem bösen Gedanken,
von all dem Schmutz des Selbst und des Stolzes.
Den Hass meiner fleischlichen Gesinnung entferne
augenblicklich aus meinem Fleisch:
Gib mir ein empfindsames Herz,
das sich selbst aufgegeben hat,
das rein, und voller Glauben und Liebe ist.

O dass ich nun, von der Sünde befreit,
dein Wort bis zum Äußersten als wahr beweisen möge,
und in deine verheißene Ruhe eingehen,
in das Kanaan deiner vollkommenen Liebe!
Lass mich die Höhe der Vollkommenheit jetzt erreichen!
Jetzt lass mich jetzt ins Nichts versinken;
weniger als nichts in meinen eigenen Augen sein,
und fühlen, dass Christus alles in allem ist.

***

Herr, ich glaube, dass dein Werk der Gnade
in der Seele vollkommen ist.
Wer dein Angesicht sieht,
dessen Herz ist rein,
sein Geist ist gesund gemacht,
von jeder Krankheit, durch dein Wort,
von jedem verunreinigenden Leiden gerettet.
vollkommenen heil gemacht, vollkommen heilig:
Er wandelt in herrlicher Freiheit,
der Sünde gegenüber völlig tot:
Die Wahrheit ist, der Sohn hat ihn frei gemacht,
und er ist wirklich frei.
Durch seine ganze Seele scheint deine Herrlichkeit,
seine Seele wurde neu
und mit göttlicher Gerechtigkeit ummantelt,
mit Gott bekleidet und von ihm erfüllt.
Das ist die Ruhe, das Leben, der Frieden,
den dein ganzes Volk beweist;
Liebe ist das Band der Vollkommenheit
und ihre ganze Seele ist voller Liebe.

O fröhlicher Klang der guten Nachricht deiner Gnade!
Christus wird in mir erscheinen;
ich, ja sogar ich, werde sein Angesicht sehen,
ich werde hier heilig sein!
Er besucht jetzt diese Lehmhütte,
er erschüttert sein zukünftiges Heim;
komm o mein Gott, offenbare dich selbst,
fülle diese ganze große Leere.

Nur du kannst meinen Geist erfüllen:
Komm, o mein Gott, mein Gott!
Erfülle meine großen Wünsche,
so groß wie die Unendlichkeit!
Gib, ja gib mir alles,
was meine Seele so nötig braucht,
alles, was in dir ist!

Hymns And Sacred Poems, Charles Wesley 1749

Komm, Herr, erweise dich hier
und zerstöre alle Werke des Teufels;
jetzt, ohne Sünde, erscheine in mir
und erfülle mit ewiger Freude:
Dein glückseliges Angesicht,
und deine Anwesenheit
sind das vollkommene Tageslicht.

***

Komm´ schnell zu meiner Rettung,
Ergreife dein Eigentum diesen Augenblick
Bringe meinen wandernden Geist nach Hause,
und bewahre ihn in vollkommenem Frieden.
Lass ihm nicht mehr zu,
die ganze Erde weit und breit zu durchstreifen,
sperr` den Gefangenen deiner Liebe ein,
und schließe mich in Gott ein!

***

Mach deine Gefangenen frei
gewähre uns deinen Frieden;
dann werden unsere Nöte und Sünden
in einem Augenblick aufhören.
Dieser Augenblick sei jetzt!
Unsere Bitte gewähre,
unser gegenwärtiger Erlöser
und Tröster der du bist!

Von dieser angeborenen Sünde erlöse mich,
lass das Joch jetzt zerbrochen werden.
Mach mich für immer dein,
Teilhaber deiner vollkommenen Natur.
Lass mich jetzt in dir
ein neues, sündloses Geschöpf sein.

***

Lass mich umkehren, Herr,
und lass mich jetzt umkehren,
beuge meinen Geist unter dein Joch;
Gewähre mir nunmehr die Perle zu finden
eines sanften und ruhigen Geistes.
Bring Ruhe, o bring Ruhe
in meine unruhige Brust,
lass mich diese zweite Ruhe finden:
Von meinen Werken für immer aufhören,
vervollkommnet in Heiligkeit.

***

Komm zu dieser angenehmen Zeit,
bring dein himmlisches Königreich herein!
Erfülle uns mit glorreicher Kraft;
Reiß den Samen der Sünde heraus.

Komm, du teures Lamm,
geschlachtet für Sünder,
lass deine reinigende Flut
wirken und alle Befleckungen abwaschen;
dein wirksames Blut.
o lass es in unsere Seele dringen,
so tief wie die angeborene Sünde:
Mach jeden verwundeten Geist heil,
und jeden Aussätzigen rein!

***

Gefangene erhebt euch hoffnungsvoll
und seht, wie euer Herr erscheint:
Siehe! Auf Flügeln der Liebe fliegt er
und bringt Erlösung herbei.
Erlösung in seinem Blut
will er, dass ihr empfangt:
Komm zu mir, vergebender Gott:
„Glaube“, ruft er, „glaube!“

Jesus, auf dich schauen wir,
bis wir uns von unseren Sünden
gerettet wiederfinden
das Joch des inneren Tyrannen abgeworfen
und seine Ketten weggeschleudert.
Unsere Natur soll über uns
keine Herrschaft mehr haben:
Im Glauben ergreifen wir die Macht,
die für immer retten wird.

Jesus, unser Leben, erscheine in uns,
die wir täglich deinen Tod sterben:
Offenbare dich selber als der Vollender;
atme deinen erfrischenden Geist aus!
Lege das verborgene Geheimnis offen,
das zweite Geschenk gewähre uns.
Offenbare dein glorreiches Selbst in mir,
in jedem wartenden Herzen.

***

In Ihm haben wir Frieden,
in Ihm haben wir Kraft!
Bewahrt durch seine Gnade
in der dunklen Stunde,
in all unseren Versuchungen,
bewahrt er uns um zu erweisen
sein Retten bis aufs Äußerste
und die Fülle seiner Liebe.
Sprich doch das frohe Wort aus,
rufe uns, frei zu sein!
Ach, hast du nicht, Herr,
einen Segen für mich?
Deinen Frieden
gib mir jetzt in diesem Augenblick
und öffne deinen Himmel,
o du meine Liebe,
in meinem Herzen!

Dein´ Seel´ entflamm´ an diesem Tag
vollkommenes Glück zu sehn´
dein Sehnsuchtsherz drauf brennen mag,
in Liebe aufzugeh´n!

Hymne 444 aus dem methodistischen Kirchenliederbuch:

(wörtlich)

Atme, o atme deinen liebenden Geist
in jede unruhige Brust
Lass uns alle in dir erben,
lass uns alle diese zweite Ruhe finden
Nimm unsere Neigung zur Sünde weg
Sei unser Alpha und Omega,
das Ende des Glaubens, wie sein Anfang,
setze unsere Herzen in Freiheit.

(gereimt)

O atme deinen Liebesgeist
in unsre notvoll Herzen
Lass erben was dein´ Kinder heißt
die Ruh´ von Sündenschmerzen
Nimm unsre Sündenneigung fort
du „Amen“ aller Segen,
des sel´gen Glaubens Ziel und Start
lass frei das Herz dir leben!

***

Hier ist mein Herz,
o nimm und versiegle es,
versiegle es
für deine Himmelshöfe

John und Charles Wesley

(wörtlich)
Lass uns alles in dir erben,
Lass uns die zweite Ruhe finden.

(Reim)
Alles in dir erben lass mich,
so die zweite Ruhe find´ ich.

***

(wörtlich)

Und wenn ich schon auch mit frohen Flügeln
die Himmelsluft durchpflüge,
wenn Sonne, Mond und Sterne vergessend
ich weiter aufwärts fliege,
dann soll immer noch das ganze Lied meines Lebens sein:
Näher mein Gott zu dir, näher zu dir.

(gereimte Übertragung)

Wenn fröhlich ich gen Himmel zieh,
mir Sonn´, Stern´, Mond verbleichen
Das eine Lied das lass ich nie
auf meinen Himmelsweichen
Das sing ich jauchzend dort und hier:
Näher mein Gott zu dir, näher zu dir

Der Schrei

Die Verdorbenheit der menschlichen Natur wird vom Volk Gottes allgemein als Tatsache angenommen. Wahre Christen, Männer und Frauen von unbestrittener Reinheit und Frömmigkeit, sind davon überzeugt, dass ihr Herz und tief in ihnen ihre Natur verdorben sind. Diese Verdorbenheit rebelliert gegen ihr heiliges Sinnen, widersetzt sich ihrem Gewissen und leistet ihren reinsten Absichten und Bestrebungen Widerstand. Sie stöhnen unter dieser Verdorbenheit wie unter einer schweren Last. Dieses Bewusstsein innerer Knechtschaft und Korruption durchdringt die gesamte christ-liche Literatur und verleiht ihrem Schmerz in klagenden geist- lichen Liedern Ausdruck. Einer der reinsten Seelen und hoch- geschätztesten Komponisten von Kirchenliedern schreibt:

„Mein Gott, ich weine mit jedem Atemzug nach einer
gütigen Macht die rettet, die das Joch der Sünde und
des Todes bricht und so den Sklaven erlöst“

Und wieder:

„Ihre Herzen, von Natur aus alle unrein und alles was sie tun ist schuldbeladen“

Und noch einmal:

„Herr, lass meine ganze Hoffnung nicht vergeblich sein und schaffe in mir ein völlig neues Herz“

Dieses Empfinden ihrer inneren Verdorbenheit macht selbst den ernsthaftesten Christen große Mühe und bringt sie dazu angstvoll auszurufen:

„Ich elender Mensch!
Wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes?“                         (Röm 7, 24 L)

Wer von denen, die sich entschlossen haben nach Gottes heiligem Gesetz zu leben und der mit seinen inneren Feinden rang, kann solche Worte nicht aus eigener Herzenserfahrung sprechen? Wer spürt nicht, wie schwer die unkontrollierbaren Leidenschaften, die ihn so beherrschen ganz alleine auf Gott auszurichten sind, und wie es ihm praktisch unmöglich ist, sein unheiliges Temperament zurückzuhalten und zu verbessern, und wie leicht in ihm verbotener Ärger oder hassvolle Rache provoziert werden oder wie er niedrigen und würdelosen Lüsten unterworfen ist und wird sich dabei nicht bewusst, dass das alles nur von einer sündhaften und korrupten Natur herrühren kann?

Und er ist frei zu gehen:

Frei zu gehen, Herr, ich fühle es!
Bereit, den Gott zu verlassen, den ich liebe.

Solange das Leben des Menschen ein Krieg ist – nicht nur gegen die Welt und Satan – sondern auch gegen diese irrenden Empfindlichkeiten, diese wilden Leidenschaften und Neigungen der eigenen Seele, gegen diese Quellen des
Bösen im eigenen Wesen, trägt der Mensch den ständigen Beweis für die Verdorbenheit seiner Natur an sich selbst herum, und zwar so lange, bis er durch heiligende Gnade ganz zu einem „Teilhaber der göttlichen Natur“ gemacht wurde.
Nicht durch eigene Anstrengungen

Als er an das theologische Seminar nach Oberlin (USA) kam und die Aufgaben seiner Professur übernahm, fühlte der von Gott selbst so mächtig gebrauchte Erweckungsprediger Finney, dass Gott ihm eine gesegnete Gelegenheit gegeben hatte, sein Ideal vom Dienst für die Gemeinden in vollkommener Weise zu verwirklichen. Er hatte eine Menge talentierter und vielversprechender theologischer Studenten vor sich, die der Weisheit ihres Lehrers implizit vertrauten, und mit einer genauso großen Aufrichtigkeit seinen Anweisungen und Ermahnungen folgen wollten. Er setzte sich daher monatelang zu festgesetzten Zeiten mit seinen Schülern zusammen und unterrichtete sie sorgfältig im Hinblick darauf, wie sie der Sünde absagen und sich Christus in dem Gehorsam hingeben sollten, der von ihnen verlangt wurde. Unter seiner Lehre und begleitet von seinen Ermahnungen erneuerten sie ständig ihre Entsagungen, Weihen und ihre Ausrichtung auf das Ziel des Gehorsams mit der höchstmöglichen Entschiedenheit an Entschlusskraft, zu der ihre Natur fähig war.

Das Ergebnis war in jedem Fall ein und dasselbe: nicht das neue Leben und die Freude und der Friede und die Macht, die erwartet wurde, sondern stöhnende Gebundenheit unter dem Gesetz der Sünde und des Todes. Zu Beginn und während des Verlaufs jeder Versammlung wurden ihre Bekenntnisse und Entsagungen, ihre feierlichen Weihen und Gelübde des Gehorsams, wenn möglich, mit größerer Entschlossenheit als je zuvor erneuert. Jedes Treffen schloss jedoch mit dem gleichen Lied:

Schau, wie wir hier unten kriechen
oder

Wo ist die Seligkeit, die ich kannte,
als ich zuerst den Herrn sah?

oder

Kehre zurück, O Heilige Taube, komm zurück.

Und als sie hinausgingen, hörte man nicht ihre Freuden- und Jubellieder, sondern ihr immer schrecklicheres Stöhnen. „Sie folgten“ und folgten entschieden „dem Gesetz Gottes nach dem inwendigen Menschen, aber erreichten es nicht“. Warum? Weil sie es nicht durch Glauben, sondern gleichsam durch die Werke des Gesetzes suchten; das heißt, durch eigene Bemühungen und Entschlusskraft ?

Die Abhilfe

Obwohl ein gnädiger Gott uns nicht in erster Linie für das Übel des Sündenfalls verantwortlich macht, das unser Wesen pervertiert hat, kann er dennoch nicht damit zufrieden sein, dass seine Kinder, die er mit der Absicht geschaffen hat vollkommene Bilder von ihm selbst zu sein, moralisch krank und von Sünde befallen sind, die in uns wohnt: „der Leib der Sünde“, „der alte Mensch“ der Verdorbenheit, „das Gesetz der Sünde und des Todes“, „der Leib dieses Todes“, „die Begierden, die in unseren Gliedern Krieg führen“. Diese augenfälligen Ausdrücke bedeuten alle das Gleiche und begründen das, was man „Verdorbenheit“ oder „innewohnende Sünde“ oder „angeborene Sünde“ nennt. Sie macht uns in den Augen eines reinen und heiligen Gottes zu Wesen, die er nicht lieben kann. Daher hat er aus Gnade Vorsorge getroffen, „damit der Leib der Sünde zerstört werde“, „dass unser alter Mensch mit Ihm mit gekreuzigt werde“. Er „verurteilte die Sünde im Fleisch“, „damit er „das steinerne Herz aus unsere Fleisch herausnehmen und uns ein Herz aus Fleisch geben kann.“

Diese angeborene Sünde erzeugt eine traurige Ernte mit unschönen Früchte: Stolz, Zorn, Eigenwillen, Eifersucht, Begehrlichkeit, Unverschämtheit, Ungeduld, Hass, Spaltungen, Gefühlsausbrüche, Streit, Neid, Unglauben und dergleichen. Diese regieren zwar den gerechtfertigten Gläubigen nicht, aber sie führen einen unaufhörlichen Kampf gegen die heiligsten Absichten seiner Seele. Seine Gedanken, Gefühle, seine Sehnsüchte und Triebe sind unrein und missfallen Gott.

Das Verhalten und das innere Leben seiner Jünger betrübten Jesus. Sie waren bekehrte Männer, ordinierte Prediger, ausgerüstet mit der Kraft, Wunder zu wirken und Teufel auszutreiben. Jesus sagte über sie in seinem Fürbittengebet: „du hast sie mir gegeben“ (Joh 17, 6 L), „die Welt hasst(e) sie; denn sie sind nicht von der Welt, wie ich denn auch nicht von der Welt bin“ (Joh 17, 14 L). Jesus sagte seinen Jüngern auch: „Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind“ (Lukas 10, 20 L) und „Ihr aber seid es, die mit mir ausgeharrt haben in meinen Versuchungen“ (Lukas 22, 28 E). Und trotzdem erachtete der Erretter es für notwendig, sie wegen ihres Unglaubens, ihrer Wankelmütigkeit, ihres Egoismus, ihres weltlichen und vergeltenden Geistes, Ihrer Feigheit und Inkonsequenz und wiederholt wegen ihrer Gefühlsausbrüche zu tadeln.

Diese Manifestationen der „innewohnenden Sünde“ – der „fleischlichen“ Natur – beunruhigten den Meister und er betete für sie, dass sie „geheiligt“ werden mögen. Als der Heilige Geist über sie kam, wurde der „alte Mensch“ der Sünde gekreuzigt und sie wurden geheiligt. Er nahm die Feigheit aus Petrus heraus und den Unglauben aus Thomas und die ausufernden Ambitionen aus Jakobus und Johannes. Der „Sohn des Donners“ wurde zum „Apostel der Liebe“. Und genau hier kommen wir zur Bedeutung der Heiligung. Es ist das Werk des Heiligen Geistes ? ein Akt der Gnade Gottes, durch den „unser alter Mensch gekreuzigt“ wird und unsere moralische Natur von aller „Ungerechtigkeit gereinigt“ wird, von aller „Unreinheit“, „Sündhaftigkeit“, und „sündhafter Neigung.“

Geheiligte Seelen haben dieser Erfahrung verschiedene Namen gegeben. Der Apostel Paulus nannte sie im Zustand ekstatischer Verzückung „die Fülle Gottes“. John Wesley, der dem Apostel Johannes folgte, nannte sie „vollkommene Liebe“. Frau Jonathan Edwards, nachdem ihre Zweifel für immer beseitigt waren und als sie mit festem Blick auf ihren Erlöser blickte, „dessen Anwesenheit so nah und real war“, dass sie „sich kaum noch anderer Dinge bewusst war“ nannte sie „die volle Gewissheit des Glaubens.“ A. B. Earle, der große Baptisten-Evangelist, war sich nach seinen schmerzlichen Kämpfen um Heiligkeit seiner tiefen, lieblichen Ruhe in Christus so bewusst, dass er sie „die Ruhe des Glaubens“ nannte. Präsident Mahan, erfüllt und begeistert von dem „läuternden und sündentötenden Geist“, wählte pfingstliche Sprache und nannte sie „Die Taufe mit dem Heiligen Geist“. Prof. Henry Cowles, mit glühendem Herzen und der Vorstellung einer Kirche, die eines Tages gereinigt wird und mit Gott wandelt, nannte sie die „Heiligkeit der Christen“. Präsident Finney, durchflutet von Begeisterung in seiner Seele, benutzte die Sprache Christi und nannte sie „vollständige Heiligung“.

Aber das Werk, mit welchem Namen es auch immer benannt wird, ist im Grunde immer das gleiche. Es ist Gottes Werk der Reinigung der Seele.

Als er zweiundachtzig Jahre alt war, schrieb der ehrwürdige Mahan: „Handfesteste Beweise jeder Art lassen eindeutig erkennen, dass bei der Erneuerung des Heiligen Geistes die Gläubigen sowohl vollständig von ihrer innewohnenden Sünde, als auch ihren konkreten Sünde gereinigt werden. Zehntausende hoch angesehene und vertrauenswürdigste Gläubige bezeugen, dass sie sich der bleibenden Veränderung und Reinigung von bösen Begierden, Gefühlsausbrüchen und Neigungen, von denen sie die längste Zeit beherrscht wurden, so bewusst sind, wie sie sich ihrer eigenen Existenz bewusst sind. Diejenigen die leugnen, dass solche Veränderungen zu den Möglichkeiten des Glaubens gehören, machen es, wenn sie bei ihrem Unglauben bleiben, unmöglich, dass sie „vom Leibe dieses Todes erlöst werden“. „Wenn ihr nicht glaubt, werdet ihr fürwahr keinen Bestand haben!“ (Jes 7, 9 E)“.

Wesley sagt in seinem Buch „Plain Account of Christian Perfection“: „Heiligung bedeutet Gott von ganzem Herzen, ganzer Seele, ganzem Verstand und mit aller seiner Kraft zu lieben. Das bedeutet, dass kein falsches Temperament – nichts was gegen die Liebe gerichtet ist – in der Seele bleibt, und dass alle Gedanken, Worte und Handlungen von reiner Liebe geleitet werden.“ „Unter einem, der vollkommen ist, meinen wir einen, der in der Gesinnung lebt, die in Christus war, der so wandelt, wie auch Christus wandelte, der gereinigt von aller Unreinheit des Fleisches und des Geistes ist, der keinen Anlass zu einem Anstoß gibt, „der dementsprechend keine Sünden begeht“, „einer, in dem Gott sein treues Wort erfüllt hat: „Und ich werde reines Wasser auf euch sprengen, und ihr werdet rein sein; von allen euren Unreinigkeiten und von allen euren Götzen werde ich euch reinigen. Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben … Und ich werde meinen Geist in euer Inneres geben; und ich werde machen, dass ihr in meinen Satzungen wandelt und meine Rechte bewahrt und tut“ (Hes 36, 25-27).

Rev. Isaiah Reid, ein überaus klarer Schriftsteller zu diesem Thema, sagt: „In der Glaubenslehre kann Heiligkeit als das zweite Werk der Gnade definiert werden, durch das die Verdorbenheit der Seele beseitigt wird“ … Heiligkeit oder vollständige Heiligung ist die Anwendung der Erlösung auf die verdorbene, korrupte Natur, in der wir geboren wurden. Es ist jener Teil der Erlösung, der nach der Vergebung kommt, die ihrerseits das Werk ist, das der Rechtfertigung zugrunde liegt, und sich auf unsere wiederhergestellte Beziehung zu Gott bezieht. Heiligung dagegen bezieht sich auf unsere Verdorbenheit. Für das Erbe unserer Verdorbenheit sind wir nicht verantwortlich. Wir haben niemals die Sünde begangen, die sie hervorgebracht hat, und wir können nicht bereuen, so geboren zu sein, noch um Verzeihung dafür bitten. Gottes Heilmittel dafür ist Reinigung, genannt „vollständige Heiligung“, „Heiligkeit“, „vollkommene Liebe“.

Auf der Seite des Menschen geschieht Heiligung durch Weihe und Glauben. Von Gottes Seite aus ist es die Anwendung des reinigenden Blutes. Völlige Heiligung macht uns moralisch rein von unserer verdorbenen Natur. Sie zerstört den alten Menschen der Sünde, die fleischliche Gesinnung. Der betreffende Mensch ist hinsichtlich der Art seiner Nachfolge und seines Glaubens vollkommen, jedoch nicht so, dass darin kein Wachstum stattfinden könnte. Er ist heilig in dem Sinne, dass er moralisch rein ist. Er ist sündlos in dem Sinne, dass alle vergangenen sündigen Taten begnadigt und seine verdorbene Natur gereinigt wurde. Er ist in dem Sinne untadelig, dass Gott in seiner begnadigten und gereinigten Seele nichts sieht, was durch das Gesetz des Evangeliums verdammungswürdig ist. Was seine Liebe betrifft, so ist er vollkommen in dem Sinne, dass er mit ganzem Herzen, ganzem Sinn, ganzer Seele und aller Kraft liebt und in dem Sinne, dass „die Liebe die Erfüllung des Gesetzes ist“. Er schreitet in diesen Dingen voran und macht Fortschritte. „Seine Seele ist jetzt himmlischer Natur und reift weiter und immer mehr, bis hin zu Herrlichkeit.“

Ein völlig gerettetes Herz kann in das Angesicht Jesu schauen und ohne Vorbehalt sagen: „Dein Wille geschehe“, während der Mensch mit seinem ganzen Sein antwortet: Amen. Das ist völlige Heiligung. Aber wenn die Verdorbenheit bestehen bleibt, wird sie sich auflehnen und sich weigern, nachzugeben.

Ein Herz erneur´t wie´s soll
der göttlich´ Liebe voll
vollkomm´, recht, gut und rein
ein Abbild Herr von dein´m

zu haben bedeutet von aller Sünde gerettet und in der Liebe vollkommen gemacht zu sein. Eine Seele im Besitz eines solchen Segens kann singen

Ein Meer der Lieb´ bist du für mich,
in dem froh meine Freuden rollen,
das Zentrum wo mein´ Leidenschaft´
sich regen wie sie sollen

Es gibt keinen Konflikt mehr zwischen den Neigungen und dem was wir wollen. Die Wünsche sind nicht länger im Krieg mit dem Willen. Vor allem der Kriegsschauplatz wurde verlegt. Früher kämpften wir nicht nur mit äußeren Feinden – der Welt und dem Satan -, sondern auch mit inneren Feinden – unseren eigenen unheiligen Wünschen und unserem Temperament. Jetzt wird das Schlossgemäuer gesäubert und das Herz rein gemacht. Die Feinde sind draußen, und das königliche Schloss ist dem König gegenüber freundlich gesinnt.

Oh, heilige Vereinigung mit dem vollkommenen Geist!
Überirdische Glückseligkeit, die Du allein geben kannst,
wie gesegnet sind diejenigen,
die diese Perle von unschätzbarem Wert finden,
und tot der Welt gegenüber gelernt haben dir zu leben.
So liege ich in deinen Armen der Liebe, o Gott,
ich verlor alles außer dir,
um mich für immer in dir zu verlieren,
meine glückliche Seele, die gelernt hat zu sterben,
hat in Deiner Unendlichkeit neues Leben gefunden.
Oh, geh und lerne die Lektion des Kreuzes, und tritt auf
den Weg, den die Heiligen und Propheten beschritten,
die das Leben, ihr Selbst und alle Dinge als Verlust ansahen und in ihrem inneren Tod das Leben in Gott fanden.

(Professor Upham)

Der Auftrag

Der große Fehler der Kirche bestand darin, die Eroberung der Welt ohne diese Kraft zu versuchen. Fast zweitausend Jahre Mühen und Versagen dabei, die Welt zu Christus zu bringen und zwei Drittel der Menschheit die den Erretter noch nicht kennen reichen aus, um uns in unsere Kämmerchen zu schicken, in unsere Obergemächer und Kirchen und Tag und Nacht um diesen Segen zu beten und zu erhalten, was uns allein unwiderstehlich und siegreich machen kann. Das Wort galt und gilt immer noch: „Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist über euch kommt“ (Apg 1,8 S).

O dass wir dieses Feuer hätten! Oh, dass die Kirche vor Gott weinen und beten würde, bis die flammende Taufe vom Himmel herabfallen würde!

(wörtlich)

Oh, dass er jetzt vom Himmel fallen würde,
um alle meine Sünden zu verzehren!
Komm, Heiliger Geist, dich rufe ich an;
Geist des Brennens, komm.

(gereimt)

O dass er fiele vom Himmel auf mich
verzehrte der Sünden Flut
o komm Heilger Geist zu dir rufe ich
mit Feuer mach´ heil mich und gut!

Die Erfahrung

Die Heiligung beendet nicht das christliche Wachstum, sondern reinigt das Herz von seiner Schlechtigkeit und macht das Wachstum aller Gnaden möglich und gewiss.

Elf Monate nachdem sie geheiligt wurde schrieb Frances Ridley Havergal:

(Wörtlich)

Vollkommen und immer voller
fließt er jeden Tag
Vollkommen und doch immer inniger
wächst er die ganze Zeit
Wie ein herrlicher Fluss
ist Gottes vollkommener Frieden,
über alles siegreich
in seinem strahlenden Wachstum.

(gereimt)

Perfekt bisher fließt er
und voller allezeit
Perfekt bisher wächst er
wie ein Strom so breit
und herrlichst siegreich
Gottes Frieden
hell, alles überflutend
ist er mir beschieden

So vertieft und verstärkt sich die Flut göttlichen Lebens in der Seele nach ihrer Reinigung, und das Herz wird von keiner Neigung zum Bösen mehr belästigt.
Die Bedingung

Der Segen der Heiligung umfasst die Notwendigkeit der ständigen Abhängigkeit vom sühnenden Werk Christi. Keine andere Gruppe von Gläubigen vertraut Jesus so ununterbrochen, ist sich der äußersten Abhängigkeit von ihm so sehr bewusst und lebt jeden Augenblick so sehr bewusst in ihm. Fräulein Havergal beschreibt den Weg der Heiligkeit folgendermaßen: „Ich möchte klar betonen, dass eine Seele nur dann von aller Sünde gereinigt bleiben kann, wenn sie sich ständig unter der vollen Kraft des Blutes Christi befindet. Wird sie auch nur einen Augenblick alleine gelassen, wird die Sünde sofort wieder lebendig und die Seele sündigt augenblicklich; nur durch die Kraft Gottes und nur solange diese wirksam ist werden wir davor bewahrt, gegen ihn zu sündigen. Ein einziger Augenblick alleine bedeutet den sicheren Fall!“

Der Unterschied zwischen dem gerechtfertigten und dem geheiligten Zustand des Gläubigen wird von Dr. A. B. Simpson in den folgenden Zeilen in hilfreicher Weise aufgezeigt:

Christus selbst

Einst war es der Segen,
jetzt ist es der Herr;
einst war es das Gefühl,
jetzt ist es Sein Wort;
einst wollt´ ich seine Gaben,
jetzt will ich den Geber;
einst suchte ich Heilung,
jetzt IHN allein.

Einst war es schmerzliches Versuchen,
jetzt ist es vollkommenes Vertrauen;
einst war es eine halbe Rettung,
jetzt Rettung bis aufs Äußerste;
einst war es unaufhörliches Festhalten,
und jetzt hält er mich fest;
einst war es ein ständiges Driften,
jetzt ist mein Anker ausgeworfen.

Einst war es geschäftiges Planen,
jetzt ist es vertrauensvolles Gebet;
einst war es ängstliches Sorgen,
jetzt hat Er die Fürsorge;
einst war es das, was ich wollte,
jetzt ist es das, was Jesus sagt;
einst war es ständiges Bitten,
jetzt ist es unaufhörliches Lob.

Einst war es mein Werk,
seins soll es von nun an sein;
einst versuchte ich Ihn zu gebrauchen,
jetzt gebraucht Er mich;
einst wollte ich Vollmacht,
jetzt den Mächtigen;
einst arbeitete ich für mich,
jetzt für Ihn allein.

Eine von Gott gesegnete Frau erfasste von Jesus am 2. Dezember 1873 im Glauben alles, was sie brauchte ? ihre vollständige Heiligung. Und ihr wurde sofort eine solche Erfahrung geschenkt, dass, um es mit ihren eigenen Worten zu sagen,

„ihr ganzes Leben ins Sonnenlicht getaucht wurde, so dass all ihre vorigen Erfahrungen verglichen damit ein blasser und flüchtiger Frühlingsschimmer waren gegenüber dem Reichtum an Herrlichkeit eines strahlenden Sommers.“

Zwei Monate später schrieb sie ihre unsterbliche Weihe-Hymne:

„Take my life, and let it be.“

„Nimm mein Leben und lass es sein.“

Fünf Jahre später dachte sie an ihr sündhaftes Wesen zurück, das sie einst so gequält hatte, aber von dem sie durch das Blut Christi gereinigt worden war und schrieb:

(wörtlich)

Ich kenne den karmesinroten Fleck der Sünde,
der alles inwendig und auswendig verunreinigt;
aber nun freue ich mich jubelnd,
dass ER mich weiß wie Schnee gewaschen hat.
Ich preise Ihn für die reinigende Flut,
weil ich weiß, dass Jesus gestorben ist.

(gereimt)

Die roten Flecken kenn´ ich mein
das innen, außen unrein sein
doch Jesus starb – sein´s Blutes Flut
kam meiner Reinigung zugut
weiß wie Schnee wäscht er mich rein
das lässt mich preisen, jauchzen, freun!
Und Charles Wesley sang:

Läuterndes Feuer
geh durch mein Herz
erleuchte meine Seele
strahle mit deinem Leben
in jeden Bereich hinein
und heilige mich ganz.

Dr. Daniel Steele schreibt beim Bericht über seine Erfahrung: „Nachdem ich Gott etwa drei Wochen intensiv gesucht hatte, kam ganz plötzlich der Tröster mit Kraft und großer Freude in mein Herz. Er nahm meine Füße fort aus dem Bereich des Zweifels und der Schwäche und setzte sie für immer auf den Felsen der Gewissheit und Stärke … In der Sprache von Dr. Payson rufe ich täglich aus,

„O, dass ich das zwanzig Jahren früher erfahren hätte!“

Aber ich danke Gott, dass nach dem Kampf vieler Jahre

In das Tal dieses wonnigen Segens gekommen ich bin
und Jesus dort bei mir verbleibt
und sein Geist und Blut machen ganz rein mich in IHM,
und sein´ vollkommen Lieb´ alle Furcht vertreibt.
O komm in dies Tal des Segens, so lieb,
wo Jesus die Fülle dir gibt
Glaube, empfang und bekenne ihn
dass jeder sein Retten sieht.

Stolz und Vorurteil

Die bescheidensten und demütigsten Menschen, die ich (Aaron Merritt Hills) als Evangelist auf allen meinen Reisen treffe, sind diejenigen lieben Seelen, die das Leben der Heiligung kennen und ausleben. Sie geben Gott die ganze Ehre für alles, was sie sind, denn es ist alles sein Geschenk. Sie haben es durch Glauben erhalten. Eine solche Seele singt:

Ehre dem Blut, das mich erkauft hat!
Ehre seiner reinigenden Kraft!
Ehre dem Blut, das mich bewahrt!
Immerzu Ruhm und Ehre!

Es gibt keinen Stolz auf eigene Errungenschaften bei solchen Gefühlen. Der Mensch, der den Heiligen Geist als seinen Heiligmacher ablehnt und versucht, durch seine eigene Entschlossenheiten und Bemühungen zu wachsen und sich zu heiligen, ist in viel größerer Gefahr vor geistlichem Stolz und Pharisäismus.

Worauf warten wir noch?

Die notwendige Vorbereitungsarbeit in der Seele unter der Führung des Heiligen Geistes kann ein mehr oder weniger langer Prozess sein, je nachdem wie sehr der Heiligungssuchende dafür empfänglich ist und sich ganz der Führung des Heiligen Geistes unterstellt. Aber wenn diese Vorbereitungsarbeit abgeschlossen ist und die Seele unterwürfig und offen für Gott ist,

„wird plötzlich der Herr, den ihr sucht, zu seinem Tempel kommen“

? in euer Herz und euer ganzes Wesen, und euch mit sich selbst erfüllen und dort ohne jeden Rivalen herrschen:

Tritt ein, tritt ein, du himmlisch´ Gast!
Und geh nie mehr und ess´
und feier´s himmlisch Fest
mit mir voll e´wger Lieb ohn´ Rast

John Wesley

Die Jünger gehorchten Jesus und warteten glaubend auf seine Verheißung:
Gehorsamen Glauben
der auf dich wartet
wirst du nie abweisen

Die Weihe

Seien Sie bereit, dass Gottes wunderbarer Wille in ihnen
geschieht – zu ihrer Heiligung und Heiligkeit. Sind Sie bereit, das Vaterunser zu beten und es auch so zu meinen? „Dein Reich komme (in meinem Herzen), Dein Wille geschehe auf Erden (in mir und durch meinen Willen), wie im Himmel (bei den Engeln Gottes). Oder sind Sie bereit „bereit, zu allem willig gemacht zu werden“, wie es F. W. Meyer formuliert, „um jeden Preis den es Sie kosten könnte“? Dieser Gedanke wird wunderschön in diesen Versen ausgedrückt:

Ich liege auf deinen Altar, o mein Herr,
nimm dieses Opfer heute an, um Jesu willen.
Ich habe keine Juwelen, um deinen Schrein zu schmücken,
auch kein weltberühmtes Opfer zu machen;
aber hier bringe ich, in meiner zitternden Hand,
diesen meinen Wille – etwas, das klein erscheint,
und Du allein Herr kannst verstehen,
dass ich damit alles gebe.

Darin verborgen kann dein suchender Blick sehen:
Kämpfe der Leidenschaft, Visionen der Freude,
alles, was ich habe, oder bin, oder gern wäre –
tiefes Lieben, liebende Hoffnungen
und unendliche Sehnsüchte;
Er (mein Wille) wurde nass von Tränen
und von Seufzern durchsetzt,
er war in meiner eigenen Gewalt,
doch Schönheit hatte er keine.

Jetzt vor deinem Gnadenthron,
wo er besiegt vor dir liegt,
steigt das Gebet empor:
Dein Wille möge geschehen!

Nimm ihn, o Vater, ehe mein Mut versagt,
und verschmelze ihn so mit deinem eigenen Willen;
dass, auch wenn ich auch jetzt
in manch einer verzweifelten Stunde laut rufe,
du mir doch mein Geschenk so zurückgibst
so verändert, so gereinigt – so schön gewachsen,
so eins mit dir, so erfüllt von göttlichem Frieden,
dass ich nicht mehr weiß ob es dein oder mein Wille ist,
sondern, wenn ich ihn zurückerhalte,
dass er dann ganz dein Wille ist
Der Tod des alten Menschen

Es ist der ungehorsame Glaube, der leer fort geschickt wird. Sie müssen sich ganz Gottes Bedingungen ergeben, sonst werden sie nichts bekommen. Gehorsamer Glaube! Wenn wir uns auch nur in einem Punkt nicht unterordnen, bekommen wir nichts. Völlige Weihe ist notwendig:

Gerade so wie ich bin
hat deine Liebe
die ich bisher nicht kannte
jeden Widerstand in mir überwunden
und nun komme ich
um dein und nur dein zu sein
o Lamm Gottes!

Ich bin bereit
zu empfangen
was du gibst
zu missen
was du zurückhältst
aufzugeben, was du nimmst
zu erleiden, was du zufügst
zu sein, was du verlangst
zu tun, was du befiehlst
Amen.

Es hat einmal jemand gesagt, dass bei unserer Vorbereitung auf die volle Erlösung das Ich erst im letzten Schützengraben fällt. Diesen Gedanken hat eine einfühlsame Seele, die in die vollkommene Liebe eingetreten war, in folgenden Versen festgehalten:

Es gibt einen Feind mit verborgener Kraft
den der Christ sehr fürchten sollte.
Viel subtiler als äußere Sünde
und dem Herzen viel lieber
ist die Kraft der Selbstsucht
das stolze und eigenwillige Ich
und ehe mein Herr in mir regieren kann
muss genau dieses Selbst sterben.

Dieser Gedanke bewegte den altväterlichen Dr. Morgan von Oberlin, den Präsident Finney so sehr liebte, so sehr, dass er seine tiefe Sehnsucht nach Heiligkeit und nach dem Tod des eigenen Ichs einmal durch die Übersetzung eines kleinen Gedichtes aus dem Deutschen von John Augelus ausdrückte, das den Titel „Ein Brandopfer“ trug:

(das Original konnte bisher vom Übersetzer nicht gefunden werden, daher hier nur die Rückübersetzung aus dem Englischen).

Höchster Priester, der du dich für mich
an dem Baum dargebracht hast
gewähre mir dass ich dir mein Selbst
für immer als mein Opfer darbringe.
Bring´ Holz und häufe es auf den Altar
und verbrenne mein ganzes Ich durch und durch.
Mein Herz aus meinem Herzen, oh zerreiß es,
kostet es mich auch zehntausend Schmerzen,
die ich ertragen muss!
Damit, O du lieblichster, du liebster Einer,
nur noch du allein in mir verbleiben mögest.

Dieser Tod des Selbst, diese absolute Hingabe des Willens und die Weihe aller Dinge an Gott muss der Ankunft des heilig machenden Erretters auf dem Thron der Seele vorausgehen, damit er alles in allem sein kann.

O Gott, mein Herz sehnt sich nach dir,
lass mich sterben, lass mich sterben.
Befreie jetzt meine Seele, lass mich sterben;
lass mich allen unbedeutenden Dingen auf Erden sterben.
Sie sind mir kaum etwas wert,
mein Heiland ruft und ich gehe fort,
lass mich sterben, lass mich sterben.

Erweise deine rettende Kraft in mir,
lass mich sterben, lass mich sterben;
ich muss von Tag zu Tag tot sein,
lass mich sterben, lass mich sterben.
Der Welt und ihrem Applaus,
allen Bräuche, Moden und Gesetzen derer,
die das demütigende Kreuz hassen,
lass mich sterben, lass mich sterben.

Oh, ich muss dem Spott und der Höhne sterben,
lass mich sterben, lass mich sterben;
ich muss frei von sklavischen Tränen sein,
lass mich sterben, lass mich sterben,
völlig sterben, dass sich kein Verlangen mehr erhebt,
gut oder groß oder weise in irgendwelchen Augen zu sein
als nur in den Augen meines Erlösers,
lass mich sterben, lass mich sterben.

Fang sofort an, den Nagel einzuschlagen,
lass mich sterben, lass mich sterben.
Oh, lass nicht zu, dass mein Herz versagt,
lass mich sterben, lass mich sterben.
Jesus, ich schau zu dir auf um Kraft,
die mir hilft, diese Stunde zu ertragen.
Wenn ich von deiner souveränen Macht gekreuzigt werde, werde ich sterben, werde ich sterben.

Jetzt bin ich tot;
dann, Herr, werde ich dir leben,
dir werde ich leben;
Meine Zeit, meine Kraft mein Alles
gebe ich dir, gebe ich dir.
Oh, wie der Sohn mich frei macht!
Dann, Herr, gebe ich dir alles.
Für die Zeit und für die Ewigkeit
werde ich leben, ich werde leben.

Glauben

Dr. Daniel Steele gibt folgendes Zeugnis aus seinem Leben: „Mir wurde bewusst, dass mein Glaube drei Dinge zu meistern hatte: der Tröster, für mich, jetzt. Auf diese Verheißung hin wagte ich es in einem Akt aneignenden Glaubens den Tröster als mein Recht im Namen Jesu zu beanspruchen. Mehrere Stunden lang klammerte ich mich in nackten Glauben daran. Plötzlich wurde ich mir einer geheimnisvollen Kraft bewusst, die mein ganzes Empfindungsvermögen durchzog,. . . und mein Herz in einen feurigen Strom von Liebe schmelzen ließ. Christus wurde mir so unaussprechlich wertvoll, dass ich in einem Augenblick sofort alles fahren ließ: Irdischen Besitz, Ansehen, Eigentum, Freunde, Familie und meine Seele rief laut:

Christus allein sei mir gegeben
Christus allein
hier und im himmlisch´ Leben!

Suchen Sie sich Sie eine Zusage aus Gottes Wort, wie zum Beispiel: „Das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde“ (1 Joh 1, 7 E). Wenden Sie diese Zusage dann auf Ihr eigenes Herz an; bekennen Sie sich selbst, Satan und Gott, dass sie wahr ist, ja auch für sie persönlich gilt, weil der Herr es gesagt hat; weigern Sie sich, auf die Lügenstimme Satans zu hören, die behauptet, dem sei nicht so. Lassen Sie sich nicht von inneren Gefühlen oder äußerem Zeichen von Ihrer freiwilligen Entscheidung abbringen, fest damit zu rechnen, dass Gottes Wort auch für Sie wahr ist. Und nach solch einem Glauben wird Ihnen dann geschehen. Haben Sie Christus alles gegeben? Wollen Sie jetzt völlig gerettet werden? Sind Sie fest davon überzeugt davon, dass

Es die Verheißung Gottes ist, völlige Erlösung zu geben
demjenigen, der an Jesus seinen Sohn glaubt.?

Dann können Sie sofort anfangen zu singen:

Ich kann, ich werd´ und tu´ es glauben
dass Jesus mich jetzt rettet.

Am nächsten Tag sagte ich (A. M. Hills) mir immer wieder: „Ich werde glauben“, „Ich werde es glauben“. Nachts ging ich in der Dunkelheit durch den Park und sagte

?Ich kann, ich werd´ und tu´ es glauben
dass Jesus mich jetzt rettet.?
Mit dieser hartnäckigen Entschlossenheit des Glaubens begab ich mich zur Ruhe. Am nächsten Morgen (7. Dezember) bevor ich aufstand, kam mir in den Sinn, Gott für den Segen zu danken, wie für etwas, das man schon empfangen hat, so wie F. B. Meyer es rät. Ich fing gerade an, als der Geist blitzschnell kam und Zeugnis gab, dass Gott wahr ist. Eine Welle der Freude strömte durch meine Seele, und ich rief laut:

„O Preis dem Herrn! Preis dem Herrn!
Er kommt und erfüllt meine Seele!“

Von dieser Stunde an war mein Leben spürbar verändert.
O, dass die Christen doch nur diese einfache Lektion des Glaubens lernen würden, Gott einfach ohne Beweise bei seinem Wort zu nehmen! Wir würden bald „Freudenöl“ statt Trauer haben, und ein Lobpreisgewand statt eines betrübten Geistes, und die Kirche würde nicht mehr länger niedergebeugt und schwach in Trauer, Zweifel und Sünde einhergehen, sondern sie würde „aufstehen und leuchten“, „ihr Licht würde kommen, und die Herrlichkeit des Herrn über ihr aufgehen.“

„Glauben funktioniert so“, sagt Dr. Keen, „dass die Seele erkennt, dass sie Gottes Wort glauben kann. Dann entscheidet sie sich zu glauben und dringt zum Bewusstsein durch: „Ich glaube.“ Glauben kommt zuerst und ist unser Teil. Errettung ist Gottes Teil und folgt danach. Alle segensreichen Auswirkungen des Glaubens – Vergebung, Kindschaft, vollständige Heiligung – sind das Werk des Herrn und sie sind wunderbar in unseren Augen; und sie sind bei all denen möglich, die an den Sohn Gottes glauben. Lieber Leser, legen Sie dieses Buch zur Seite und sagen Sie:

Herr, ich glaube.
Du rettest in diesem Augenblick
mit vollem Errettungssegen.

Mein Glaube sieht zu dir auf,
Mein Glaube der klein und langsam ist
meine matten Augen hebe ich zu dir empor
und beanspruche jetzt den verheißenen Segen.
Dein wunderbares Geschenk sehe ich in der Ferne
Und brauche und tue nicht(s) fürchten.

Mein Glaube ergreift dich,
mein Glaube ist so schwach, so schwach.
Er erhebt seine schlotternden Hände,
um zittrig aber leidenschaftlich
das Königreich jetzt mit Gewalt einzunehmen
und wartet bis Du, seine einzige Zuflucht,
versiegelst und heiligst.

Mein Glaube hält dich fest,
mein Glaube, immer noch klein, aber sicher,
sein Anker ist allein in dir,
dessen Gegenwart mich rein hält,
und du siehst und hörst mich immer,
nachts, bei Tag, bist du sehr nah
bist du ganz nah bei mir.“

Wollen Sie, der Sie diese Zeilen lesen, so im Glauben „auf Jesus blicken“, „Jesus ergreifen“, und „sich fest an Jesus halten“, als Ihren heiligen Erretter gerade in diesem Augenblick? Wenn ja, müssen Sie keine weitere Stunde ohne diesen Segen leben. Beanspruchen Sie auf Ihren Knien den Heiligen Geist als persönliche Verheißung des Vaters für Sie; eignen Sie sich dieses herrliche Geschenk ehrfürchtig an, stehen Sie von Ihren Knien auf und setzen Sie Ihren Weg fort. Rechnen Sie fest damit, dass Gott sein Wort gehalten hat und dass Sie mit dem Geist erfüllt sind. Danken Sie Gott für den Segen. Sie werden erfahren, dass Gott seiner Verheißung treu ist.
Denken Sie daran, „der Wille Gottes ist Ihre Heiligung“ denn „er hat Sie zur Heiligung berufen.“

Oh, machen Sie die Worte dieses Einsegnungsliedes der Heilsarmee zu Ihrem Herzensgebet:

Ja Herr,

hast´ lang gewartet mich zu befrein
von meinen Zweifeln und Seelenpein.
In seiner Gnade fragt Jesus mich,
soll retten von aller Sünde ich dich?

Chor

„Ja Herr.“

Diese Stimme antwortet: „Ja, Herr.“
Wirst du vertrauen meinem Blut,
dass es dich reinigt mit heil´ger Flut
so tief auch die Sünd´ in dir unrein ist,
verlässt dich auf mich, dass mein Frieden fließt,
ganz ungetrübt dir zugut?
„Ja Herr.“

Willst du dass ich diese Fesseln brechen soll,
die dich an Zweifel und Ängste binden?
Und deine Seele
zu einem vollkommenen Garten Eden mache?
Und dass ich komme, um dein Herz und dein Leben
zum Jubeln zu bringen?

„Ja Herr.“

„Wirst du dich immer noch blind
an die Götzen klammern, die du kennst?
Die dir Kummer, Tränen und Ärger machen,
und deine Glückseligkeit zerstören?

„Nein, Herr.“

Aufgrund deiner großen und kostbaren Gaben,
und deines Bluts – für mich vergossen;
durch das Opfer Jesu
beanspruche ich den Segen jetzt ganz frei,

„jetzt Herr!“

antwortet diese Stimme,

„jetzt, Herr.“

Folgen

Das Geschenk des Heiligen Geistes macht uns fähig, gleichmütig alles zu ertragen, was Gott an Widrigkeiten oder Unglück in unserem Leben zulässt. Madame Guyon wurde in Frankreich vierzehn Jahre lang ins Gefängnis geworfen, weil sie die Lehre der Heiligung verkündete. Einen großen Teil davon verbrachte sie in der Bastille, wo auch der „Mann mit der eisernen Maske“ eingesperrt war, der täglich an ihrer Zellentür vorbeikam. Aber Gefängnismauern konnten das Licht und den Frieden Gottes in ihrem Herzen nicht vertreiben. Hinter Gitterstäben schrieb sie: „Ich verbrachte meine Zeit voller Frieden und war bereit, den Rest meines Lebens dort zu verbringen, wenn das der Wille Gottes war. Ich sang Freudenlieder, welche die Magd, die mir diente, genauso schnell auswendig lernte, wie ich sie erdichtete. Und gemeinsam sangen wir dein Lob, o mein Gott! Die Steine meines Gefängnisses schienen mir wie leuchtende Rubine zu sein. Ich schätzte sie mehr als allen protzigen Glanz der Welt. Mein Herz war voll von der Freude, die du denen, die dich lieben, inmitten ihrer größten Leiden gibst.

Hier ist eines ihrer Lieder, das zeigt, welch himmlischen Frieden sie genoss:

Ein kleiner Vogel bin ich,
ausgeschlossen aus den luftigen Feldern
und in meinem Käfig sitze ich und singe
zu dem, der mich dort hineingesetzt hat.
Es freut mich, eine Gefangene zu sein,
denn, mein Gott, das ist dein Wille für mich.

Hier habe ich sonst nichts zu tun;
ich singe den ganzen Tag lang;
und der, dem ich am meisten gefallen will
hört auf mein Lied;
er fing mich und band meine lebhaften Flügel
und beugt sich jetzt still vor, um mich singen zu hören.

Oh! Es ist gut am Gitter meines Käfigs
hoch zu klettern zu Ihm,
dessen Wille ich verehre,
dessen Vorsehung ich liebe;
und in deinem mächtigen Willen
die Freude und die Freiheit meines Geistes zu finden.

Bewahrt

Sie wachen und beten und glauben, und Sie werden „durch die Kraft Gottes durch Glauben bewahrt“. Sie bewahren sich Christus und Christus bewahrt Sie. „Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch, und euer ganzes Wesen, der Geist, die Seele und der Leib, werde unsträflich bewahrt … Treu ist er, der euch beruft; er wird es auch tun“ (1 Thess 5,23 S)