Menschenwort als Gotteswort

© Heino Weidmann Hat Gott wirklich? gesagt – 95ThesenTeil2.de zu deinem Sieg über die Sünde durch Jesus Christus, Teil 3  Gesamtbiblische Betrachtungen – Das Wort Gottes – Menschenwort als Gotteswort, epubli.de, 2021.

Menschenwort als Gotteswort

Der Koran wurde der Überlieferung nach dem Propheten Muhammad Wort für Wort vom Engel Gabriel offenbart. Er als Mensch hatte keinen gestaltenden Anteil daran.

In der Bibel „redeten Menschen, getrieben vom Heiligen Geist“ (2 Petr 1, 21). Es war nicht ihr eigener Wille, der das Wort Gottes schuf, sondern Gott überwachte den Prozess der „Fleischwerdung seines gesprochenen Wortes auf der Erde“. Die ganze Schrift ist von Gott Menschen eingegeben (2 Tim 3, 16). Somit ist jedes Wort und jeder Buchstabe von Gott gegeben.

Und doch bemerken wir eine Entwicklung in der Entstehung des Wortes Gottes. Gott offenbarte Mose seinen Willen, sein Gesetz und seine Worte. Und Mose schrieb alles so auf, wie er es von Gott empfing. Vieles davon schrieb er wörtlich nieder, so wie die 10 Gebote, die Anweisungen zum Bau der Stiftshütte, zum Priesterdienst und Ähnliches. Anderes schrieb es so auf, wie er es erlebt hatte, so wie in weiten Teilen des 5. Buchs Mose (2 Mose 24, 4; 5 Mose 31, 9). Und auch die folgenden Bibelbücher im Alten Testament wurden alle aufgeschrieben von Menschen, die die Geschichte Gottes mit seinem Volk festhielten, ihre Gebete und Lieder und ihre Weisheiten, die sie in ihrem Leben mit Gott gefunden hatten. Gott gebrauchte Sie, sein Wort zu schreiben, meist ohne dass sie sich dessen bewusst waren. Nur David bildet da vielleicht eine Ausnahme. Er war sich bewusst, dass Gott durch ihn redete (2 Sam 23, 2).

Dann kam die Zeit der Schriftpropheten. Auch ihnen diktierte Gott oft wörtlich, was sie schreiben sollten. Und daneben beschreiben Sie ihre eigenen Erlebnisse und Empfindungen (Hos 8, 2; Hab 2, 2). Alles wurde Wort Gottes.

Im Neuen Testament bricht eine neue Ära an. Das Leben Jesu wird von Augenzeugen und Vertrauten von Augenzeugen aufgeschrieben. Sie schrieben alles wörtlich auf, was sie gehört oder erfahren hatten. Gottes Stimme kam sozusagen nicht mehr aus dem Himmel zum biblischen Schreiber, sondern erscholl direkt auf der Erde, als Jesus sprach. Und Jesus redete auch dadurch, wie er lebte und dadurch bestätigte, was er lehrte. Das wurde alles aufgeschrieben. Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. (Joh 1, 14 S+F).

Dann beauftragt Jesus seine Jünger, es ihm gleich zu tun, zu leben, was er gelehrt und gelebt hat und es selbst zu lehren (Mt 28, 18-20; Joh 14, 12; 15, 10-11).

In der Apostelgeschichte sehen wir einige Auswirkungen davon und wie die Apostel den Auftrag Jesu umsetzten. Es wird einfach beschrieben.

Jetzt wird es besonders: In den Lehrbriefen des Neuen Testamentes redeten die Apostel wie von Jesus befohlen im Auftrag Gottes. Aber die Realisierung der Lehre Jesu war in ihrem Leben eingeschlossen. Sie gaben das Wort Gottes nicht einfach weiter, ohne etwas damit zu tun zu haben. Nein, sie lebten und lehrten es genauso wie Jesus.

Jesus hat gesagt: Liebt eure Feinde (Mt 5, 44).
Dann sagen die Apostel Ich liebe meine Feinde (1 Kor 4, 11-13; Apg 5, 41)
und wie Jesus zu uns Liebt IHR eure Feinde“ (Röm 12, 14; 1 Petr 3,9).

Und das, was die Apostel sagen, wird dann wieder Wort Gottes, das Autorität hat, als wenn Gott selbst gesprochen hätte und für uns verbindlich ist.

Damit werden gelebte menschliche Leben zu Gottes Autorität für uns. Und damit bekommt alles was Gott gesagt hat und die Apostel weitergeben das Siegel der Umsetzbarkeit von Gott. Ja, Menschen können das. Daher tut ihr das. Der Abstand zwischen dem unerreichbar fern scheinenden Gotteswort aus dem Himmel wurde schon durch das Leben und die Predigt Jesu nah – unangenehm nah. Denn in Jesus sprach nicht nur der Gottessohn, sondern auch der Menschensohn zu uns. Aber immerhin war es noch der Herr und wir können in – falscher Demut – vorschieben, dass die Lehre des Herrn zu schwierig für uns ist. Er ist ja schließlich Gott und wir können sein Leben nicht erreichen. Am Ende der Bergpredigt nimmt uns Jesus aber diese Ausrede-Möglichkeit: Wer nicht tut, was er sagt, hat auf Sand gebaut.

Und jetzt, um uns noch deutlicher zu machen, dass wir alles sein, tun und selber lehren können, was Jesus uns gesagt hat, nimmt Jesus die Apostel und sagt und zeigt uns durch sie: „Es geht! Das Wort Gottes kann in dir und mir gefallenem Menschen auch Gestalt annehmen und Realität werden! Wenn du denkst, der Abstand zu Jesus ist zu groß, dann nimm doch einfach die Apostel!“ Aber Überraschung: Sie lehren nicht weniger als Jesus, und sie tun auch nicht weniger. Sie geben die Lehre Jesu 1:1 weiter und – zu unserem großen Entsetzen erwarten sie das auch noch von uns als Gemeinde Christi! Keine Ausreden mehr, keine Ausflüchte mehr!

Die Apostel konnten, auch wenn sie auch zwischendurch fielen (Apg 15, 39; 23, 3; Gal 2, 11ff), auf die Dauer ganz wie Jesus leben. Ihr Leben und Denken glich sich so an Gottes Gedanken und Gesetz an, dass sie es leben und ohne sich selbst zu verdammen lehren konnten. Ihr Menschenwort wurde zu Gottes Wort für uns, weil Gottes Wort in Ihnen Gestalt angenommen hatte.

Staunend sehen wir sogar, dass wenn die Apostel kein direktes Wort von Gott zu einer Sache hatten, wenn sie ihre Meinung kundtaten und Empfehlungen aussprachen, sie damit genau im Willen Gottes lagen – und ihre Meinung zu Gottes Wort für uns wurde.

1 Kor 7, 25ff N
Nun zu den Unverheirateten: Ich habe hier kein Gebot des Herrn, aber ich gebe euch einen Rat als einer, den der Herr durch sein Erbarmen vertrauenswürdig gemacht hat. …

Und dieser Rat des Paulus wurde auch zum verbindlichen Wort Gottes für uns! Hier hat Gott nichts diktiert, Jesus nichts gesagt, aber Paulus, der nicht weiß, dass er Wort Gottes schreibt, wird von Gott mit seinen Gedanken gebraucht!
Das ist überhaupt der Gipfel: So geheiligt, so eins mit Jesus konnte Paulus werden, dass seine Meinung der Meinung Gottes entsprach. Dass Gott das durch einen gefallenen Menschen tun konnte zeigt, was er aus Menschen machen kann. Und auch aus uns. Das Wort Gottes ist abgeschlossen, ja. Aber die Einheit mit Christus wie bei Paulus und den Aposteln – die können wir durch seine Gnade auch erreichen.

Somit zeigt uns die Art und Weise, wie das Wort Gottes entstand, dass es nicht fern von uns ist, sondern ein Wort, dass gefallene Menschen ausleben können.

 

Meine Beobachtungen zu „Das Wort Gottes“