Gebet um Offenheit der Hörer oder um Heiligung der Gemeinde und um Vollmacht der Prediger?

© Heino Weidmann Hat Gott wirklich? gesagt – 95ThesenTeil2.de zu deinem Sieg über die Sünde durch Jesus Christus, Teil 3  Gesamtbiblische Betrachtungen – Feuer vom Himmel, Heiligkeit, Vollmacht und Kraft – Gebet um Offenheit der Hörer oder um Heiligung der Gemeinde und um Vollmacht der Prediger?, epubli.de, 2021.

Gebet um Offenheit der Hörer oder um Heiligung der Gemeinde und um Vollmacht der Prediger?

Wir beten in der christlichen Welt sehr viel für die Bekehrung von Menschen. Und das ist auch gut so. Es ist Gottes Anliegen, dass Menschen in sein Reich kommen. Und unsere Gebete zu Gott kennen keine Limits – wir dürfen um alles bitten, was im Bereich des Willens Gottes ist (Mk 11, 24; Joh 14, 13). Und er will, dass allen Menschen geholfen werde, und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen (1 Tim 2, 4).

Doch wer hat schon einmal untersucht und entdeckt, dass das Wort Gottes eine völlig andere Stoßrichtung hat?

1 Tim 2, 1-2 S
So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen Bitten, Gebete, Fürbitten und Danksagungen für alle Menschen darbringe, für Könige und alle, die in hervorragender Stellung sind, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit.

In dieser zentralen Bibelstelle beispielsweise geht es nicht in erster Linie um Gebete für die Errettung von Menschen, sondern um günstige Rahmenbedingungen für das Volk Gottes zum Ausleben des Evangeliums.

Im Wort Gottes – sowohl im Alten, als auch im Neuen Testament – bekehren sich Sünder nicht maßgeblich durch die Gebete des Volkes Gottes.

Nein, Sünder werden dem biblischen Vorbild nach durch das vollmächtige gesprochene Wort Gottes überführt. Gottferne werden durch vollmächtige Prediger im Herzen getroffen und durch eine heilige Gemeinde, die voll des Geistes Gottes ist (Ps 22, 21-31; 51, 15; Apg 5, 11-14; 10, 42; 28, 31; 1 Kor 1, 23; 14, 25; Eph 6, 20; Kol 1, 6-11; 4, 4; 1 Thess 2, 2; Offb 2, 13; etc.).

Es gibt NUR EIN EINZIGES Beispielsgebet für die Errettung von Menschen im Neuen Testament, ja in der ganzen Bibel: Als Paulus für die Errettung Israels betet (Röm 10, 1). Und da betet Paulus nicht für Heiden, sondern für das Volk Gottes, das Gott nicht erkannt hat, obwohl es ihn hätte erkennen können.

Alle anderen Gebete geschehen für die Ausrüstung, Vollmacht, geistliche Strahlkraft und Bewahrung des Volkes Gottes und seiner Boten als Licht für die Heiden.

 

Im Alten Testament geht es immer nur darum, dass Israel auf dem rechten Weg geht, von seinen Sünden und Götzendienst umkehrt, und dass sie endlich ein neues Herz bekommen und im Willen Gottes leben. Dafür flehen, fasten, leiden und predigen praktisch alle Boten Gottes. Erst wenn das geschieht, und Gott sie reinigt und heiligt, wird Jahwe im wiederhergestellten Israel regieren. Dann wird Israel das Gesetz durch die Befähigung des Neuen Bundes ausleben. Dann wird JAHWE die Welt von einem völlig geheiligten Israel aus regieren und die Welt wird durch Israel erreicht werden. Die Heiligung des Namens Gottes durch das geheiligte Leben des Gottesvolkes ist schon im Alten Testament der Schlüssel zur Gotteserkenntnis der ganzen Welt.

Und auch im Neuen Testament geht es immer und überall vor allem darum, dass die Gemeinde zugerüstet wird, sich reinigt, heiligt und vorbereitet auf das Kommen ihres Herrn. Dann wird der Name des Vaters geheiligt und sein Reich kommt, wenn sein Wille geschieht.

Neu dazu kommt, dass die Diener Gottes jetzt selbst in alle Welt gehen und dort das Wort Gottes predigen. Der Glaube kommt aus der Predigt, die Predigt durch Boten Gottes, die das Wort Gottes in Vollmacht predigen. Deshalb drehen sich auch viele Bitte und Gebete im Neuen Testament darum, dass die Boten Gottes berufen, ausgesandt, zugerüstet, bewahrt und ausgerüstet werden, dass sie das Evangelium richtig reden, wie sie reden sollen, und dass sie von Gott bewahrt und gebraucht werden, dass sie Freimut und Vollmacht zum Predigen haben (Mt 9, 37-38; Joh 17; 2 Thess 3, 1-2; Kol 4, 2-4; Eph 6, 18-20; Hebr 13, 18). Und in der Apostelgeschichte sehen wir die Auswirkungen dieses Prinzips. Betete die erste Gemeinde um die Bekehrung von Sündern? Nein, sie beteten um Freimut zum Predigen und Gottes Wirken dabei (Apg 4, 29ff)! Und die Erde erbebte und sie wurden alle mit dem Heiligen Geist erfüllt und redeten das Wort Gottes in Vollmacht. Und die nach der Steinigung des Stephanus Zerstreuten gingen hin und predigten das Wort.

Die ganze Serie an Gemeindegründungen durch Paulus, Barnabas und Silas entstand dadurch, dass sie vom heiligen Geist als Prediger ausgesandt wurden und das Wort Gottes unerschrocken und in Vollmacht predigten.
Und die neu gegründeten Gemeinden ihrerseits hatten mit der Zeit eine große Strahlkraft in ihre Umgebung, so dass von ihrem Glauben in der ganzen Welt geredet wurde, und die Apostel nicht nötig hatten, selber dort weiter zu wirken (1 Thess 1, 6-10). Obwohl noch längst nicht alle Menschen in den Regionen erreicht waren, in denen die Apostel wirkten, sahen sie ihre eigene Aufgabe nach den Gemeindegründungen an strategisch wichtigen Orten als erfüllt an. Ja sie sahen für sich selbst keinen Raum mehr, dort noch weiter zu arbeiten (Röm 15,23). Jetzt war die Stunde der Gemeinde/n gekommen, durch ihr Zeugnis ihre Umgebung zu erreichen. Und damit sie das in Reife, Liebe und Vollmacht in rechter Weise tun konnten, lehrten die Apostel die Gemeinden Heiligung und den Reichtum Christi für ihr geistliches Leben.

Praktisch alle Gebete im Neuen Testament, die sich nicht um die Sendung, Zurüstung und Ausrüstung der Prediger des Evangeliums drehen, drehen sich um die Zurüstung, Ausrüstung und Bevollmächtigung der Gemeinde zu ihrem von Gott berufenen (Zu)Stand in Christus, um für ihren kommenden Herrn bereit und für die Welt ein Zeugnis zu sein.

Jesus selbst kondensiert diese ganzen Wahrheiten in seinem hohepriesterlichen Gebet. Wie und was betet er da (Joh 17)? Betet er um die Bekehrung der Welt? Nein (!). Betet er direkt darum, dass die Welt (endlich) erkennen möge, dass der Vater den Sohn gesandt hat? Nein (!!!). Zwischen der Erkenntnis der Welt, dass der Vater den Sohn gesandt hat und dem Gebet Jesu liegt noch etwas. Und das ist der Zustand der Jünger Jesu!

Erst wenn die Jünger sich im richtigen Zustand befinden, erst, wenn sie heilig sind, erst, wenn sie eins sind, erst, wenn sie mit der Liebe des Vaters erfüllt sind, wird die Welt erkennen, dass der Vater den Sohn gesandt hat.

Der ausschließliche Dreh- und Angelpunkt Jesu sind seine Jünger, was sie in ihm sind, was Jesus aus ihnen gemacht hat und machen will und machen kann, wie Jesus seine Jünger beschenkt und beauftragt hat, was er an ihnen tun will, und was das schließlich für Folgen in der Welt hat: An ihnen wird die Welt wird erkennen, dass der Vater den Sohn gesandt hat.

Befremdlich anders klingt angesichts dieser Zusammenhänge die Gepflogenheit unter uns evangelikalen Christen zu beteuern, dass wir nicht wirklich anders sind als Nichtchristen, dass wir nur besser dran sind. Das mag  die traurige derzeitige Realität sein. Aber es entspricht überhaupt nicht Gottes Plan. Die Gemeinde soll so von Jesus und der Wahrheit durchdrungen, so heilig und eins mit ihm und so voller Liebe sein, dass die Welt gar nicht anders kann, als Jesus in seiner Gemeinde zu erkennen.

Doch lesen wir das hohepriesterliche Gebet Jesu (Joh 17) selbst.

 

Dort betet Jesus ganz konkret

 

  • um die Verherrlichung Jesu (Joh 17, 1-5)
  • und bezeugt, dass das Heil in der Erkenntnis Jesu liegt (Joh 17, 6-8)
  • für seine Jünger, NICHT FÜR DIE WELT (Joh 17, 9)
  • und er bestätigt seine [Jesu] Verherrlichung in den Jüngern
    (Joh 17, 10)
  • um die BEWAHRUNG der Jünger im Namen Jesu, damit sie eins sind, wie der Vater und Jesus eins sind (Joh 17, 11-12)
  • darum, dass durch sein Gebet die Jünger seine Freude vollkommen in sich haben (Joh 17, 13)
  • und bestätigt, dass die Jünger das Wort Gottes haben. Dadurch sind sie nicht mehr von dieser Welt (Joh 17, 14)
  • um die Bewahrung der Jünger vor dem Argen/Bösen (Joh 17, 15)
  • und bestätigt, dass die Jünger nicht von dieser Welt sind (Joh 17, 16)
  • um die Heiligung der Jünger durch das Wort Gottes (Joh 17, 17)
  • und bestätigt Jesus die Sendung der Jünger in die Welt (Joh 17, 18)
  • und bestätigt seine eigene Heiligung, die dazu führt, dass auch seine Jünger durch die Wahrheit geheiligt werden (Joh 17, 19).
  • dass auch die, die DURCH DAS WORT der Jünger an IHN GLAUBEN das alles erfahren, damit sie alle eins sind. Und zwar so eins, wie Jesus es mit dem Vater ist (!) (Joh 17, 21).
  • UND DIESE EINHEIT DER CHRISTEN ist es, die die Welt davon überzeugen wird, dass der Vater den Sohn gesandt hat (Joh 17, 23).
  • und bestätigt, dass diese Einheit seiner Jünger nur dadurch möglich ist/wird, weil er allen seinen Jünger SEINE HERRLICHKEIT gegeben hat, die sie einst sehen werden (Joh 17, 22+24).
  • und bestätigt noch einmal, dass es die Erkenntnis Jesu ist, die rettet. Und dass die Geretteten noch die WEITERE OFFENBARUNG DES NAMENS DES VATERS brauchen, damit die GLEICHE LIEBE, mit der der Vater Jesus liebt, in den Jüngern ist und JESUS IN IHNEN IST (Joh 17, 25-26)

 

Durch das ganze hohepriesterliche Gebet Jesu wird deutlich:
Es geht Jesus einzig und allein um den richtigen Zustand seiner Jünger.

Wenn die Jünger so geheiligt, bewahrt, eins und mit der Liebe Gottes des Vaters erfüllt zur Ehre Gottes leben, wie Jesus es für seine Jünger will und betet, DANN kommen Menschen ganz natürlich zum Glauben – durch das Leben und durch das WORT seiner Jünger. DANN erkennt die Welt, dass der Vater den Sohn gesandt hat.

Es kommt darauf an, dass alle Jünger Jesu aller Zeiten

  • im Namen Jesu und vor dem Bösen bewahrt werden
  • die Freude Jesu durch die Erkenntnis der Wahrheit erfahren
  • durch das Wort Gottes und die Wahrheit geheiligt werden
  • so eins werden, wie Jesus es mit dem Vater ist
  • den Namen des Vaters offenbart bekommen, damit die gleiche Liebe, mit der der Vater Jesus liebt, in ihnen ist und damit Jesus in ihnen ist

 

SO wird die Welt erkennen, dass der Vater den Sohn gesandt hat.

Im Zentrum des hohepriesterlichen Gebetes stehen

  • der Name Jesus, der seine Jünger bewahrt und
  • die Heiligung der Jünger Jesu durch das Wort Gottes
    und die Wahrheit.
  • die Sendung der Jünger in die Welt

 

Die Reihenfolge nach der Jesus vorgeht ist ganz konkret

 

  1. Ein erstes Handeln an den Jüngern: die rettende Erkenntnis Jesu
  2. Bewahrung
  3. Heiligung
  4. Sendung mit der Folge von neuen Jüngern
  5. Einheit aller Jünger
  6. Zusammenfassung: Ein zweites Handeln Jesu an den Jüngern:
    tiefere Erkenntnis Gottes und die Erfüllung mit der Liebe Gottes

 

Es wird sehr deutlich, wie sehr Jesus die richtige Entwicklung und der richtige Zustand seiner Jünger und damit seiner Gemeinde am Herzen liegt. Das ist sein Schlüssel zur Weltevangelisation.

Im Zentrum des Gebetes Jesu stehen die Bitte um Bewahrung der Jünger vor dem Bösen, wie wir es auch im Vaterunser beten. Und die bewahrten Jünger sollen durch das Wort Gottes und Wahrheit geheiligt werden. Und sie sollen eine weitere Offenbarung der Liebe Gottes erfahren, die das alles möglich macht. Erst dann erfolgt ihre Sendung in die Welt. Die Sendung der bewahrten und geheiligten und mit der Liebe Gottes erfüllten Jünger führt zu neuen Gläubigen. Diese sollen die gleiche Erfahrung wie die ersten Jünger machen. In der Heiligung der Jünger durch die Wahrheit, im Erkennen der gottgeschenkten Einheit der Gemeinde in Christus und in der Erkenntnis der und der Erfüllung mit der in Christus gottgeschenkten Liebe liegt der Schlüssel zur Erreichung der Welt. Und das ist genau das ganze Thema dieses Buches.

Gott ruft uns zur Heiligkeit und Liebe. Und die kann er in unserem Leben auf ein Vollmaß bringen, so, dass wir untereinander eins werden, und die Welt erkennt, dass der Vater den Sohn gesandt hat. Meine und deine Heiligung ist die beste Evangelisation, und die allerbeste Evangelisation ist die vollständige Heiligung unserer Prediger und Evangelisten. Vollmächtige, bewahrte, geheiligte Jünger Jesu, die mit seiner Liebe erfüllt sind und ganz eins mit dem Vater, Jesus und untereinander sind: Das ist das Herzensanliegen Christi. Das ist sein letztes Vermächtnis an seine Jünger vor seinem Leiden für uns. So wird die Gemeinde zu dem Zeugnis werden und sein, zu dem Licht, zu dem Gott sie in die Welt gesetzt hat. Und Gott wird so verherrlicht und geehrt werden, wie es ihm gebührt.

Doch auffällig ist auch, dass Jesus darum betet, dass die Welt (nur) erkennt, dass der Vater den Sohn gesandt hat, nicht, dass die Welt sich bekehrt. Ja, Jesus geht schon davon aus, dass durch das Wort seiner Jünger (einige) an ihn glauben werden (Joh 17, 20-21). Doch die Welt als Ganzes wird sich nicht bekehren, das weiß Jesus. Ja, die Welt wird in der (in der Endzeit) vollendeten Gemeinde endlich und ganz klar und ohne Ausreden erkennen, dass Jesus der vom Vater gesandte Retter ist. Aber was Jesus hier nur implizit und nicht explizit sagt ist, dass die Welt sich trotz der Erkenntnis des Sohnes Gottes im Volk Gottes nicht bekehren wird. Die Welt wird sich letztlich für die dunkle Seite entscheiden und den Fürsten des Lebens und des Lichts, deutlich erkennbar im völlig geheiligten Leib Christi auf Erden, ablehnen. Denn dann, wenn die Gemeinde ihr Licht ganz scheinen lässt, wird sich das Licht von der Finsternis scheiden. Menschen werden zum Glauben kommen und andere in Opposition gehen. Dann wird es wie auch schon oft in ihrer Geschichte, der Gemeinde auf Erden, ganz wie ihrem Herrn auf Erden ergehen (Joh 15, 20-21; 16, 1-4).

Denn es gibt keine Garantie auf Erfolg: Jesus selbst in all seiner Reinheit und Vollmacht blickte traurig und zornig auf viele seiner Hörer, betrübt über die Verstockung ihres Herzens (Mk 3, 5). Stephanus wurde trotz oder sogar aufgrund seiner vollmächtigen Predigt gesteinigt (Apg 7, 59). Und auch Paulus, dem Gott eine Liebe geschenkt hatte, wie nur Jesus Christus sie geben kann (1 Tim 1, 14), musste trotz reicher Frucht des Wortes Gottes in gleicher Weise auch unendlich viel Ablehnung, Verfolgung und Widerstand gegen die Botschaft der Liebe Gottes erfahren (1 Kor 4, 9-13). Wir können sein und leben wie Gott will – und Menschen bekehren sich nicht. Bekehrungen sind nicht das Hauptkennzeichen des richtigen Lebens vor Gott. Es sind die Liebe, Einheit, Heiligkeit und dass wir Gottes Willen tun (Joh 14-17).

Doch wir halten fest im Hinblick auf die Erreichung der Welt für Christus:

Der Hauptfokus des Wortes Gottes liegt nicht auf der Offenheit oder der Vorbereitung der Hörer, sondern auf dem Wort Gottes, sei es durch vollmächtige Prediger oder durch das in seiner Gemeinde Fleisch gewordene Wort Gottes. Und der Schlüssel dazu ist die Bewahrung der Jünger, ihre Heiligung durch die Wahrheit Gottes und ihre noch größere Erfüllung mit der Liebe Gottes, die in Einheit mit Christus und untereinander mündet. Denn das ist die beste Evangelisation und Heiligung des Namens Gottes in der Welt: Die Heiligung seiner Gemeinde und die Vollmacht seiner Boten.