Reinheit und Heiligkeit

© Heino Weidmann Hat Gott wirklich? gesagt – 95ThesenTeil2.de zu deinem Sieg über die Sünde durch Jesus Christus, Teil 3  Gesamtbiblische Betrachtungen – Christus, der Vater und wir – Himmlische Farbstrahlen – Reinheit und Heiligkeit, epubli.de, 2021.

Reinheit und Heiligkeit

Unreinheit ist ein sündiger Zustand. Kein Unreiner kann in die Gegenwart des heiligen Gottes treten.

Jesaja 6, 1-7 S
Heilig, heilig, heilig ist der HERR der Heerscharen; die ganze Erde ist voll seiner Herrlichkeit. … Wehe mir, ich vergehe! Denn ich bin ein Mann von unreinen Lippen … er berührte meinen Mund und sprach: Siehe, das hat deine Lippen berührt; deine Schuld ist weg und deine Missetat gesühnt!

Gott weiß, wie unrein wir sind und wie unrein unser Herz ist. Doch Gott ist der Reinigungsspezialist. Das ganze Buch 3. Mose/Levitikus ist voll von Erklärungen darüber, was alles unrein vor Gott ist. Und er hat einen Weg, wie Unreines rein und Unreine wieder rein werden können. Und Gott hat immer einen Weg für sein Volk, gar nicht erst unrein zu werden. Alle äußerlichen Unreinheiten im Gesetz des Mose sind letztlich innere Unreinigkeiten unseres Fleisches, Herzens, und Geistes oder unser Tun, erfahren wir von Jesus und den Aposteln (Mt, 15, 11; Mk 7, 15-19; Apg 11; 2 Kor 7, 1; 2 Kor 12, 21).

Die große Verheißung des Neuen Bundes ist, dass Gott und VON ALLEN UNSEREN UNREINHEITEN reinigen will und kann.

Hes 36, 23-27 S
Darum will ich meinen großen Namen wieder heilig machen, der vor den Heiden entheiligt worden ist, welchen ihr unter ihnen entheiligt habt! Und die Heiden sollen erkennen, dass ich der HERR bin, spricht Gott, der HERR, wenn ich mich vor ihren Augen an euch heilig erweisen werde. Denn ich will euch aus den Nationen herausholen und aus allen Ländern sammeln und euch wieder in euer Land bringen. Ich will reines Wasser über euch sprengen, dass ihr rein werdet; von aller eurer Unreinigkeit und von allen euren Götzen will ich euch reinigen. Und ich will euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euch legen; ich will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben; ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Satzungen wandeln und meine Rechte beobachten und tun.

Unreine, die unrein leben, entheiligen den Namen des heiligen Gottes. In der Heiligkeits-Wasch-Strasse des neuen Bundes können Unreine aber rein werden. Die Quelle ihrer Unreinheit wird durch eine spezielle Säuberung Gottes mit reinem Wasser gereinigt: Es ist das unreine Herz. Ja, das unreine Herz wird nicht nur gereinigt, es wird erneuert. Es findet eine Herz-Transplantation statt. Und die ausdrückliche Folge ist, dass Gottes Leute so zu solchen werden, die in seinen Satzungen wandeln, seine Rechte beobachten und tun. Das ist der erreichbare Idealzustand im Neuen Bund. Und wer hier laut oder leise noch anfügt: „Na ja, Gott meint sicherlich, dass wir im neuen Bund seine Satzungen und Rechte ziemlich tun, oder meistens tun, aber nicht ganz, denn wir sind ja immer noch unrein.“ Der hat etwas angefügt, was Gott nicht gesagt hat. Und er muss sich eines Tages vor Gott dafür verantworten.

Wird nun im Neuen Bund unser Herz schon bei unserer Bekehrung völlig rein? Wird es so rein, wie es überhaupt nur je rein werden kann?

Unbestritten ist, dass Gott unsere Herzen bei unserer Bekehrung reinigt:

Apg 15, 8+9 N
Und Gott, der die Herzen aller Menschen kennt, hat bestätigt, dass auch sie [die Heiden] dessen würdig sind, indem er ihnen genauso wie uns den Heiligen Geist gegeben hat. Gott machte zwischen ihnen und uns keinen Unterschied. Durch den Glauben reinigte er ihre Herzen.

1 Petr 1, 21 S
Nachdem ihr eure Seelen durch Gehorsam gegen die Wahrheit gereinigt habt zu ungeheuchelter Bruderliebe.

Joh 15, 3 N
Ihr seid allerdings durch das Wort, das ich euch verkündigt habe, schon rein.

Ja, Gott reinigt uns am Anfang unseres Glaubenslebens. Preis dem Herrn! Denn kein Unreiner hat ein Erbteil im Reich Christi und Gottes (Eph 5, 5).
Aber wenn sich die Verheißung aus Hesekiel damit schon erfüllt hat, dann müssten alle Christen in Gottes Satzungen und Rechten leben und sein Gesetz tun. Ohne Ausnahme. Und das müssten sie erst recht, ohne einem Gesetz zu unterliegen, das sie weiter sündigen lässt und davon abhält, Gottes Gesetz zu tun. So sagt es die Verheißung in Hes 36, 23-27.

Denn es ist ja gerade die Verheißung des Neuen Bundes, dass Gottes gereinigtes Volk sein Wort und Gesetz hält und dann wirklich tut.

Das bringt uns in eine zwiespältige, ja schizophrene Lage.
Auf der einen Seite meinen wir, in den alttestamentlichen Verheißungen das zu erkennen, was den neuen Bund ausmacht: Ein gereinigtes Herz und dass wir – grundsätzlich – nach Gottes Geboten leben. Und damit beanspruchen wir die Verheißung aus Hesekiel 36, 23-27 für uns. Oder du etwas nicht, erkennst du dich als Wiedergeborener dort nicht wieder?

Aber wenn wir dann die ganze Verheißung ansehen, bis hin auf die Wortebene (siehe Teil 3 – Kapitel Gottes Wesen, sein Wort und sein Gesetz – das Wort Gottes), dann müssen wir der Bibelstelle auf einmal Gewalt antun und anfügen oder wegstreichen, was Gott nicht gesagt hat, um sie passend auf UNSERE DERZEITIGE ERFAHRUNG im Neuen Bund zu machen: Wir halten das Gesetz Gottes eben noch nicht völlig gleich nach unserer Wiedergeburt. Das lässt uns aber nicht redlich handeln vor Gott.

Hier noch einmal ein Schema zur Verdeutlichung der Aussagen in Hes 36, 23-27 (Punkte 1.+2.) und was wir daraus machen (Punkt 3.).

  1. Unreinigkeit, Götzen und Sünde des Volkes Gottes führen zur Entheiligung des Namens Gottes
  2. Gott verheißt im Neuen Bund die Reinigung von aller Unreinheit, von allen Götzen. Das führt dazu, dass wir in Gottes Satzungen und Rechten leben, sie beachten und tun.
    Gott erweist sich als heilig und macht seinen Namen wieder heilig.
  3. Bei unserer Bekehrung erfahren wir eine erste Reinigung. Aber da keine völlige Reinigung stattfindet, sind wir teilweise noch unrein und/oder tun noch teilweise Unreines. Der Name Gottes wird teilweise geheiligt, teilweise auch entheiligt.

Die Diagnose Gottes für Israel im Alten Bund entspricht Punkt 1.
Die Verheißung Gottes für Israel im Neuen Bund ist Punkt 2.
Wir als Christen erkennen uns im Neuen Bund bei 2. wieder,
erfahren und verkünden aber nur Punkt 3.
und verleugnen im gleichen Atemzug die volle Erfüllung und Möglichkeit von Punkt 2. Das ist unredlich.

Wir haben übersehen, dass es noch eine weitere Möglichkeit gibt: Punkt 4.

  1. Im Neuen Bund werden wir bei unserer Bekehrung gereinigt und geheiligt. Das ist Gottes Anfangspunkt. Aber das ist noch keine völlige Heiligung und völlige Reinigung, wie sie Gott bei Hesekiel verheißt – wir sollen ja von ALLEN unseren Unreinigkeiten gereinigt und befreit werden. Reinigung und Heiligung im Neuen Bund sind sich gleichende Prozesse. Und beide sind keine bloßen Anfangspunkte. Denn diese Prozesse kennen auch einen definierten Endpunkt des völlig gereinigt Seins und des völligen geheiligt Seins im Neuen Testament. Und erst an diesem Punkt sind wir auch in unserer Lebensführung rein und leben heilig vor Gott nach der vollen Verheißung des Alten und des Neuen Bundes. Und erst an diesem Punkt wandeln wir wirklich ganz in Gottes Satzungen und beobachten und tun seine Rechte.

Stimmt das? Sehen wir ins Neue Testament. Und beachten wir: Heiligen und Reinigen werden in Gottes Wort in vielerlei Hinsicht synonym gebraucht (2 Kor 7, 1; Hebr 9, 14; Eph 5, 26+27; 1 Thess 4, 7).

Ihr … seid … schon rein. Joh 15, 3 N Jede [Rebe], die Frucht bringt, schneidet er [der Vater] zurück und reinigt sie so, damit sie noch mehr Frucht bringt. Joh 15, 2 N
Durch den Glauben reinigte er ihre Herzen. Apg 15, 9 N Heilige sie in deiner Wahrheit! Dein Wort ist Wahrheit. Joh 17, 17 S
Nachdem ihr eure Seelen … gereinigt habt. 1 Petr 1, 21 S Weil wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte, so wollen wir uns reinigen von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes, zur Vollendung der Heiligung in Gottesfurcht. 2 Kor 7, 1 S
Wer gebadet hat, ist ganz rein…
Joh 13, 10a N
…er muss sich später nur noch die Füße waschen. Joh 13, 10b N
Wer das alles aber nicht hat, ist blind oder doch sehr kurzsichtig. Er hat vergessen, dass Gott ihn von seinen früheren Sünden gereinigt hat. 2 Petr 1, 9 N Wenn nun jemand sich … reinigt, wird er ein Gefäß zur Ehre sein, geheiligt … nützlich … zubereitet.
2 Tim 2, 19-22 S+F
Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit. 1 Joh 1, 9 S Und ein jeglicher, der diese Hoffnung auf ihn hat, reinigt sich, gleichwie auch Er [Jesus] rein ist. 1 Joh 3, 3 S
Der Tempel Gottes ist heilig, der seid ihr. 1 Kor 3, 17 S Den neuen Menschen anziehen sollt … in Heiligkeit  Eph 4, 24 S
An die Geheiligten … in Christus
1 Kor 1, 2 S
Gott … heilige euch durch und durch 1 Thess 5, 23 S
Denn Gott hat uns nicht zur Unreinigkeit berufen 1 Thess 4, 7a S sondern zur Heiligung.
1 Thess 4, 7b S

 

Die angeführten Bibelstellen sprechen eine gemeinsame Sprache. Die einzige mögliche Schlussfolgerung ist, dass wir im Neuen Bund zwar eine Reinigung erfahren bei unserer Bekehrung, aber noch keine vollständige, wie sie uns im Neuen Bund aber verheißen ist.

Wir werden zwar schon gereinigt bei unserer Wiedergeburt, aber wir sollen und selber und vom Vater so völlig gereinigt werden, dass wir ganz rein sind.

Wir sind zwar schon geheiligt bei unserer Bekehrung, müssen uns aber weiter heiligen und sollen die Heiligung vollenden in der Furcht Gottes und völlig und durch und durch geheiligt werden, bis wir völlig heilig sind.

Nur wenn es eine vollständige Reinigung und eine vollständige Heiligung gibt, gibt es auch ein vollständiges Leben in Gottes Satzungen und Halten der Gebote Gottes.

Wir dachten, wir wären als Gläubige schon rein und heilig genug.
O welch ein Irrtum! Wir sind rein und heilig genug, um gerettet zu werden. Aber wir sind noch nicht rein und heilig genug, um Gott durch ein völlig gereinigtes Leben die Ehre zu geben, die ihm eigentlich zusteht. Ohne Gottes völlige Reinigung und Heiligung heiligen wir Gottes Namen in dieser Welt noch nicht so, wie es der Vater im Himmel will und wie er uns im Vaterunser lehrt zu bitten.

Christus kommt immer zweimal um seinem Volk zu dienen: Er reinigte den Tempel zu Beginn und am Ende seines Dienstes auf Erden (Joh 2, 14ff; Mt 21, 12ff). Er besuchte sein Volk, um sie von der Schuld ihrer Sünde zu retten, und wird sie als erhöhter Herr beim zweiten Besuch in die Herrlichkeit führen. Er nimmt bei jedem Bekehrten Wohnung und wenn dieser ihm gehorsam folgt (1 Kor 6, 19), nimmt er noch tiefere Wohnung im Leben des Gläubigen (Joh 14, 23), Christus reinigt uns von der Schuld der Sünde (Tit 2, 14), und in der völligen Heiligung reinigt er uns von allen Verunreinigungen, die noch ins uns geblieben sind nach der ersten Reinigung (2 Kor 6, 17-18 + 7, 1).

Die Reinigung Christi bei unserer Bekehrung reicht also nicht. Wir müssen uns nach dem Willen Gottes weiter reinigen.

Je reiner jemand ist, desto geheiligter ist er (für Gott abgesondert), desto brauchbarer ist er für Gott, steht Gott näher und ist in dem Zustand, den Gott haben will. Niemand darf diesen wichtigsten Grundbefehl Gottes, sich zu reinigen und sich zu heiligen vernachlässigen.

Hebr 12, 14 N
Bemüht euch ernstlich um … ein geheiligtes Leben, ohne das niemand den Herrn sehen wird.

2 Kor 7,1 E
Da wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte, so lasst uns uns selbst reinigen von jeder Befleckung des Fleisches und des Geistes, indem wir die Heiligkeit vollenden in der Furcht Gottes.

Das große Ziel Gottes ist die völlige Reinigung und völlige Heiligung der Gläubigen in diesem Reinigungsprozess. Erst dann befindet sich sein Volk in dem Zustand, der ihm gefällt. Und hier geht es augenscheinlich nicht um die Reinigung, die Gott bei der Bekehrung bewirkt, sondern um die Reinigung der bereits an Jesus Gläubigen.

Wenn das Herz rein ist, dann ist es heilig oder wenn es heilig ist, ist es rein. Und wenn es heilig und rein ist, lebt es in Gottes Geboten.

Erst wenn wir völlig gereinigt und geheiligt sind, hat sich die Verheißung in Hes 36, 23-27 völlig erfüllt, dass wir durch Gottes Gnade und Wirken wirklich von allem Schmutz gereinigt sind. Und erst dann wird auch im vollen Ausmaß geschehen, was uns im Zuge unserer völligen Reinigung verheißen ist:

Dass wir in seinen Satzungen leben und seine Rechte halten und tun.

Somit sind Heiligkeit und Reinheit im Neuen Testament praktisch eins. In allen diesen Dingen sollen wir als Gläubigen zunehmen und haben dabei die Verheißung, an einen Punkt zu kommen, an dem wir in diesem Leben völlig gereinigt und völlig geheiligt werden und wie Christus in der Welt sind.