Sündigende Heilige oder Sünder, die versuchen heilig zu leben

© Heino Weidmann Hat Gott wirklich? gesagt – 95ThesenTeil2.de zu deinem Sieg über die Sünde durch Jesus Christus, Teil 3  Gesamtbiblische Betrachtungen – Christus, der Vater und wir – Sündigende Heilige oder Sünder, die versuchen heilig zu leben, epubli.de, 2021.

Sündigende Heilige oder Sünder, die versuchen heilig zu leben

In allen neutestamentlichen Büchern werden die an Christus Gläubigen als Heilige bezeichnet, insgesamt über 50 Mal. Das ist ihre Hauptanrede. Dann werden sie auch Jünger, Gerechte, Brüder, Geliebte und Christen genannt.

Es ist eine bedeutende Feststellung, dass die Christen von Gott vor allem als Heilige gesehen werden. Die Nachfolger Christi haben einen Identitätswechsel erlebt. Heilig bedeutet: Sie sind für Gott abgesondert und gehören Gott. Sie tragen den göttlichen Stempel. (2 Mose 13, 2; 19, 6; 22, 30; 3 Mose 20, 26; 4 Mose 3, 13; Hes 44, 9). Die Schriftstellen sind zahlreich. Zur Verdeutlichung füge ich von den neutestamentlichen Stellen für die Anrede der Gläubigen mit „Heilige“ einige auf:

Petrus kam zu den Heiligen, die in Lydda wohnten (Apg 9, 32) und rief die Heiligen (Apg 9, 41). Paulus schrieb an die berufenen Heiligen in Rom (Röm 1,7) und wollte, dass sein Dienst den Heiligen angenehm sei (Röm 15,31). Diese sollten die dienende Phöbe aufnehmen, wie es für Heilige angemessen ist (Röm 16, 2). Die Korinther sind für Paulus die Geheiligten in Christus Jesus, berufenen Heilige (1 Kor 1, 2). Er wollte, dass Rechtssachen von den Heiligen entschieden werden (1 Kor 6, 1), denn die Heiligen werden die Welt richten (1 Kor 6, 2). Paulus spricht weiter von allen Gemeinden der Heiligen (1 Kor 14, 33), der Sammlung für die Heiligen (1 Kor 16, 1), dem Dienst für die Heiligen (1 Kor 16, 15; 2 Kor 8, 4; 2 Kor 9, 1), den Heiligen in Achaja (2 Kor 1,1), dem Mangel der Heiligen (2 Kor 9, 12) und er grüßt alle Heiligen (2 Kor 13, 12; Phil 4, 22; Phil 4, 21). Paulus schreibt an die Heiligen in Ephesus, Philippi und Kolossä (Eph 1, 1; Phil 1,1; Kol 1, 2), rühmt ihre Liebe zu allen Heiligen (Eph 1, 15; Kol 1, 4), redet sie als Mitbürger der Heiligen im Himmel an (Eph 2, 19) und ist in seinen eigenen Augen der geringste von allen Heiligen (Eph 3, 8). Alle Heiligen sollten die Liebe Christi erkennen (Eph 3, 18) und zugerüstet werden (Eph 4, 12), sich verhalten, wie es sich für Heilige gebührt (Eph 5, 3; Titus 2, 3), in aller Beharrlichkeit und Ausdauer Fürbitte für alle Heiligen tun (Eph 6, 18), den Heiligen die Füße waschen (1 Tim 5, 10), als Gottes Auserwählte, als Heilige und Geliebte die Liebe anziehen (Kol 3, 12), die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus mit allen seine Heiligen erwarten (1 Thess 3, 13). Der Anteil des Erbes der Heiligen ist im Licht (Kol 1, 12), Gott offenbart seinen Heiligen seine tiefsten Dinge (Kol 1, 16), wenn Jesus kommt, will er an jenem Tag in seinen Heiligen verherrlicht werden (2 Thess 1, 10). Paulus freut sich über die Liebe und den Glauben, die Philemon dem Herrn Jesus und allen Heiligen gegenüber hat (Phlm 1, 5), und wie die Herzen der Heiligen durch ihn erfrischt worden sind (Phlm 1, 7). Der Hebräerbriefschreiber erkennt an, dass die Hebräer den Heiligen gedient haben und dienen (Hebr 6, 10) und lässt alle Heiligen grüßen (Hebr 13, 24). Judas redet vom Glauben, der den Heiligen ein für alle Mal überliefert ist (Jud 1, 3) und dass der Herr mit seinen vielen tausenden Heiligen kommen wird (Jud 1, 14). Johannes in der Offenbarung stellt uns die die Gebete der Heiligen vor (Offb 5, 8; 8, 3- 4) und bezeugt, dass Gott seinen Heiligen ihren Lohn geben wird (Offb 11, 18). Das Tier wird mit den Heiligen Krieg führen (Offb 13, 7, Offb 17, 6; 18, 24), dann kommt es auf das Ausharren und den Glauben der Heiligen an (Offb 13, 10; 14, 12). Gott richtet die, die das Blut seiner Heiligen vergießen (Offb 16, 6). Darüber sollen sich seine Heiligen freuen (Offb 18, 20). Gott ehrt die gerechten Taten der Heiligen (Offb 19, 8), spricht vom Heerlager der Heiligen (Offb 20, 9) und will, dass die Heiligen sich weiter heiligen (Offb 22, 11).

NACH unserer Errettung werden die Geretteten also vor allem als HEILIGE angeredet – und das, obwohl sie, wie es die Bibel an vielen Stellen in einem Atemzug bezeugt, noch vielfach sündigen.

Aber der Wechsel in der Anrede ist ganz klar. Den Begriff „Sünder“ verwendet die Bibel nur bis zu dem Augenblick, bis sich ein Mensch zu Gott bekehrt und Buße von seinen Sünden tut. Bekehrung heißt dabei, dass ein Mensch anerkennt, dass er ein Sünder ist, dass er aus eigener Anstrengung nicht zu Gott kommen kann, dass er Vergebung seiner Sünden braucht und sie nur durch das am Kreuz vergossene Blut unseres Herrn Jesus Christus in Anspruch nehmen kann (Röm 1-4). Der Mensch muss umkehren von seinem bisherigen gottfernen Leben, Jesus als Herrn anerkennen und ihm folgen (Röm 10, 9-13). So wird ein Mensch wiedergeboren durch den Heiligen Geist, der jetzt in ihm Wohnung nimmt (1 Petr 1, 3+23; Joh 3). Durch die Auferstehung Christi und Christi stellvertretendes Leben sieht Gott ihn fortan als Gerechten und Heiligen an. Der neugeborene Heilige darf Gott um ein gutes Gewissen bitten durch die Auferstehung Christi von den Toten (1 Petr 3, 21).

Die zeitliche Grenze des Wortgebrauchs „Sünder“ findet dabei im Augenblick der Umkehr vom alten Leben als Sünder und der Bekehrung zu Jesus statt. Danach wird der gleiche Mensch, solange er in der Nachfolge Christi bleibt, nur noch als Heiliger bezeichnet, und auch Jünger, Christ, Gerechter, als gerechtfertigt, Bruder, Schwester, Geliebter, etc., auch wenn er noch sündigt.

Ja, der Begriff „Sünder“ taucht immer wieder im Neuen Testament auf. Aber er wird immer nur in der Beweisführung für uns Menschen in unserem unbekehrten Zustand verwendet, wenn gezeigt wird, dass wir als Menschen von Natur aus böse sind, ein unreines Herz haben und sündigen. So die ganze Beweisführung von Paulus im Römer- und Galaterbrief: Gerade, weil wir von Natur aus Sünder sind, brauchen wir die Vergebung und die Rechtfertigung Gottes aus freier Gnade.

Danach, wenn wir so von Gott beschenkt sind, werden wir von Gott zu Heiligen und Gerechten gemacht, als solche betrachtet und auch angeredet.

Hier sind einige Bibelstellen, die den zeitlichen Zusammenhang besonders deutlich machen.

Dem Gerechten ist kein Gesetz gegeben, sondern den … Sündern. 1 Tim 1, 9 L

Jesus Christus ist in die Welt gekommen, um Sünder zu retten.1 Tim 1,15 N

Als wir noch Sünder WAREN. Röm 5, 8 N

Dass einem Gerechten kein Gesetz auferlegt ist, sondern Gesetzlosen und Unbotmäßigen, Gottlosen und Sündern. 1 Tim 1, 9 S

Gal 2, 17 E
Wenn wir aber, indem wir in Christo gerechtfertigt zu werden suchen, auch selbst als Sünder erfunden worden sind.

Sind wir denn jetzt keine Sünder mehr?

Nein, sagt das Wort Gottes. Auch wenn wir weiter sündigen: Wir sind Heilige, Brüder, Geliebte, Gerechte, Jünger, Christen. Gott benennt uns nach unserem neuen SEIN, nicht nach unserem TUN.

Nur an drei Stellen in den neutestamentlichen Briefen werden Gläubige als Sünder bezeichnet. Und dort wird aus dem Kontext klar: Es geht jeweils um Menschen, die sich von Gott wieder abgewendet haben. Sie haben die Nachfolge Christi aufgegeben oder verleugnet. Sie brauchen eine erneute Umkehr wie am Anfang ihres Glaubenslebens. Sie müssen mit Gott wieder grundsätzlich ins Reine kommen. Bei ihnen geht es um die grundsätzliche Nachfolge, und nicht um einzelne Sünden, die ein Gläubiger in seiner Nachfolge begehen mag.

Jak 4, 1-9 N
Ihr seid gierig und bekommt doch nichts. Ihr mordet und neidet ….. Ihr streitet und bekriegt euch …. Wisst ihr Treulosen denn nicht, dass Freundschaft mit der Welt Feindschaft gegen Gott bedeutet? Wer also ein Freund der Welt sein will, stellt sich als Feind Gottes dar. … “Den Hochmütigen widersteht Gott, aber den Demütigen gibt er Gnade.” So unterwerft euch nun Gott! Stellt euch dem Teufel entgegen, dann wird er von euch fliehen. Nähert euch Gott, dann wird er sich euch nähern. Wascht die Hände, ihr Sünder, reinigt eure Herzen, ihr Zwiespältigen!

Gierige, mordende, neidende, streitende, Krieg führende Treulose und weltliebende Feinde Gottes sind Sünder, die sich (neu) bekehren müssen.

Jak 5, 19-20 N
Wenn jemand unter euch von der Wahrheit abirrt, meine Brüder, und einer bringt ihn zur Umkehr, dann denkt daran: Wer einen Sünder von seinem falschen Weg zurückbringt, wird dessen Seele vom Tod retten und eine Menge Sünden zudecken.

Sünder ist der, der sich von der Nachfolge Christi und der Wahrheit abkehrt. Er lebt in der Todeszone. Daher muss er sich (neu) bekehren.

Und nicht dem Wort, aber der Sache nach gibt es auch noch diese Bibelstelle.

1 Tim 5, 8 N
Wenn aber jemand sich weigert, für seine Angehörigen zu sorgen – vor allem für die, die mit ihm unter einem Dach leben -, dann hat er seinen Glauben verleugnet und ist schlimmer als ein Ungläubiger.

Wir sehen: Durch manche Sünden können wir uns selbst aus der Gemeinschaft und der Nachfolge Gottes ausschließen. Dann trifft die Bezeichnung Sünder wieder zu.

Und dann gibt es noch diesen Vers.

Hebräer 7, 26-27 E
Denn ein solcher Hohepriester geziemte uns: heilig, unschuldig, unbefleckt, abgesondert von den Sündern und höher als die Himmel geworden, der nicht Tag für Tag nötig hat, wie die Hohepriester, zuerst für die eigenen Sünden Schlachtopfer darzubringen, sodann für die des Volkes; denn dieses hat er ein für allemal getan, als er sich selbst geopfert hat.

Bei diesen Worten könnte man denken, dass Christus alle Menschen als Sünder ansieht, gerade weil auch der Hohepriester im Alten Testament erst für die eigenen Sünden Opfer bringen musste und die, für die er opferte, als Sünder bezeichnet werden. Diese Bibelstelle legt allerdings den Fokus auf den Unterschied zwischen Christus uns dem gesamten Menschheitsgeschlecht. Dort vertritt er jetzt das Volk Gottes vor dem Vater. Und gerade durch seinen Dienst vor dem Vater sieht er sein Volk nicht mehr als Sünder an, sondern als Heilige und Gerechte, wie die Ausführungen weiter vorne zeigen.

Die Formulierung „abgesondert von den Sündern“ passt auch nicht zur engen Gemeinschaft, die Christus mit uns Gläubigen jetzt hat (Joh 15, 1ff). Wir sind nicht abgesondert von Christus. Nein, wir, die wir einst ferne waren, sind nahe geworden (Eph 2, 13), Jesus wohnt in uns (Joh 17, 22), wir sind mit ihm auferstanden und im Geist in himmlische Örter in Christus versetzt (Eph 2, 6), ja wir sind ein Geist mit Christus (1 Kor 6, 17). Wir haben Freimut zum Eintritt ins Allerheiligste durch das Blut Christi, sind also nicht abgesondert von Christus (Hebr 10, 19), ganz im Gegenteil, wir sind EINS mit Christus (Joh 15, 5; 17, 21) – und Jesus würde sich NIE eins mit einem Sünder machen (1 Kor 6, 15)!
Als Christen in der Nachfolge Christi ist unser Zustand und unser Sein jetzt und hier IN CHRISTUS. Christus ist nicht abgesondert von uns, sondern wir sind innerlich mit ihm vereint.

Alle diese Schriftstellen zeigen: Die Umkehr zu Gott macht einen Menschen zum Heiligen. Auch wenn wir weiter sündigen: Gott sieht unser Sein an, nicht unser Tun.

Doch es kann zu so schwerer Sünde und Abfall im Leben eines Gläubigen kommen, dass er nicht mehr als Gläubiger, sondern nur noch als Sünder bezeichnet werden kann. Und dann muss dieser Mensch wie bei (s)einer Bekehrung grundsätzlich in seinem Leben Buße tun und sich überhaupt wieder Gott unterordnen, nachdem er gegen Gott rebelliert und sich von ihm getrennt hat.

Nein, auch wenn wir an Christus Gläubige weiter sündigen, werden wir doch nicht als Sünder bezeichnet. Ja, auch wir sündigende Heilige müssen umkehren und brauchen Vergebung. Das Neue Testament berichtet häufig und ganz ehrlich, wie viel die Heiligen Gottes sündigen und beschreibt alle menschlichen Missstände in den Gemeinden ganz offen und unverblümt. Und immer brauchen wir Umkehr und Vergebung und die Gnade Gottes.

Warum betone ich angesichts unserer Sünden dann aber so sehr, dass Gott uns ausschließlich als Heilige anredet und nicht als Sünder?

Es ist eben doch ein RIESIGER UNTERSCHIED, ob ein Heiliger sündigt oder ein Sünder sündigt:

  • Ein Sünder kann nicht anders als sündigen. Er tut, was er ist.
  • Ein Heiliger kann und soll heilig leben. Er soll tun, was er ist, heilig leben. Das sagt schon sein Name. Sünde ist die Ausnahme und passt nicht zu ihm.

Ein Beispiel mag dies verdeutlichen. Es gibt noch heute Königshäuser auf der Welt. Und ein Prinz oder eine Prinzessin aus einem Königshaus sollte sich entsprechend der Würde und dem Anspruch des Königshauses verhalten. Niemand würde bestreiten, dass es möglich ist, das zu tun. Die Prinzen und Prinzessinnen sind schon durch ihre Geburt Prinzen und Prinzessinnen. In und außerhalb des Königshofs hat jeder eine Vorstellung davon, welches Leben und welches Verhalten diesem Ehrentitel und dieser hohen Berufung entsprechen. Das ist normal. In allen Königshäusern wird von den heranwachsenden Königskindern erwartet, so zu leben. Und sie werden entsprechend erzogen. Königliches Verhalten wächst durch das Aufwachsen am Königshof und durch die königliche Erziehung am Hof. Und auf diese Weise wird das Denken, Reden und Tun der Prinzessinnen und Prinzen mit der Zeit königlich. So können sie eines Tages die königliche Würde und Herrschaft antreten. Die Prinzen und Prinzessinnen, die angemessen entsprechend ihrem Stand leben, zeigen, dass es geht. Wenn eine Prinzessin oder ein Prinz sich aber nicht verhält, wie es seinem oder ihrem Stand entspricht, wie es im echten Leben eben auch immer wieder vorkommt, dann ist das die Ausnahme, und nicht die Regel.

Angenommen, ein echter Prinz oder eine echte Prinzessin wird Bettler genannt, als Bettler betrachtet, verhält sich wie ein Bettler und bettelt wie ein Bettler. Der so genannte Bettler wird um alles betteln müssen. Er kommt in Lumpen daher. Im gehört nichts am Hof. Er hat Gemeinschaft mit anderen Bettlern und nicht mit den Prinzen und Prinzessinnen des Königshauses. Er ist gekleidet wie ein Bettler, wird erzogen wie ein Bettler, verhält sich wie ein Bettler. Der Königshof kann nicht erwarten, dass sich der als Bettler behandelte königlich verhält. Dann wird ihm niemand die königliche Würde zugestehen und die königlichen Vorrechte gewähren. Er passt nicht an den königlichen Hof. Er ist ein Fremdkörper. Und so wird er sich auch entwickeln und verhalten.

Es ist eine offene Wahrheit, dass wir oft das werden und dann immer mehr das sind, was uns unsere wichtigsten Beziehungspersonen im Leben sagen. „Du kannst nichts“ „Ich hab dich nie gewollt“ „Du bist zu nichts zu gebrauchen“ „Du bist ein Versager“ und ähnliche Worte werden niemanden zu einem Menschen machen, dem das Leben gelingt und der Widrigkeiten überwindet und der siegesbewusst lebt. Traurig erleben wir, dass es meist schlechte und sich selbst erfüllende Prophetien sind. Sie machen einen Menschen kaputt, sie verhindern, dass er sein Potenzial entfalten kann.

Wie ganz anders kann ein Mensch etwas werden und sogar über sich hinauswachsen, wenn jemand an ihn glaubt und ihm einmal und immer wieder sagt: „Du bist wunderbar“ „Ich liebe dich!“ „Ich glaube an dich“ „Du bist ein Pfundskerl“ „Du bist wunderschön“ „Du schaffst das“ „Wir kriegen das hin“ „Ich bin immer für dich da“ „Da hast du eine wunderbare Begabung“.

Und genauso ist es mit Gott: Als guter Arzt stellt er die richtige Diagnose, solange wir noch bei den Schweinen auf dem Feld leben: „Du bist ein Sünder“. „Du bist und lebst unrein.“ Und doch sagt er schon dazu: „Ich liebe dich“ und „Ich glaube an dich“. Und nach unserer Bekehrung steckt Gott uns den Ring der Vollmacht an unseren Finger, lässt uns das beste Kleid anlegen und redet uns nur noch mit den wertschätzenden Ehrentiteln „Heilige“, „Gerechte“, „Gereinigte“ und „Geliebte“ an. So wertvoll sind wir in seinen Augen!

Gott nennt uns also sogar Heilige. Damit bezieht er sich nicht auf die Rechtfertigung, durch die wir zu „Gerechten“ werden. Gott hat uns sogar zu Heiligen gemacht und wir sollen uns immer weiter heiligen, und durch völlige Heiligung schließlich ganz heilig in unserem ganzen Leben werden und leben. Das machen viele Bibelstellen ganz deutlich (Joh 14, Röm 6, 1-14; 2 Kor 7, 1; 1 Thess 5, 23; Phil 2, 5; 3, 15; Kol 3; 1 Tim 1, 5 u.v.m.). Ja, Heiligkeit und heilige, reine Herzen und Leben sind das, was Jesus, wenn er wiederkommt, von seinem Volk erwartet. Das ist der einzige Zustand, bei dem wir nicht beschämt werden, wenn er kommt (1 Thess 3, 13: 1 Joh 2, 28; 2 Petr 3, 11; Jud 24; Offb 22, 11).

Daher ist eine Theologie, die Gläubige entgegen dem Wort Gottes als Sünder und nicht als Heilige bezeichnet, und dann fälschlicherweise – aber innerhalb dieser Verfälschung folgerichtig – nur Sünde erwartet, dem Wort Gottes völlig fremd. Und nicht nur das: Durch den Gebrauch nicht schriftgemäßer Worte, indem Heilige als Sünder bezeichnet werden, wird langsam aber sicher unsere wichtigste Theologie umgedeutet. Wenn wir uns Gläubige als Sünder bezeichnen und verstehen, dann kommt es zu folgenden Schlüssen und Gedanken:

  1. Wenn wir lebenslang Sünder sind, dann werden wir auch lebenslang sündigen. Und wenn wir nicht anders können als zu sündigen, dann können wir dem Sündigen nicht entkommen. Und wenn wir der Sünde nicht entkommen können, dann kommt es ja auf einmal mehr oder weniger nicht an. Das sagt keiner, das denken aber die meisten.
  2. Wenn wir nach unserer Heiligsprechung und Heiligmachung durch Gott noch weiter Sünder sind, dann sind wir auch nicht anders als andere Menschen. Wir sind nur besser dran. Der Unterschied liegt nur im Titel und in der Vergebung, nicht am Leben. Daher unterscheiden wir uns nicht oder kaum von unserem Umfeld.
  3. Der Anspruch und die Verheißung Gottes, dass wir uns wie Heilige benehmen können und sollen, bleibt völlig auf der Strecke.

 

  1. raubt uns durch die Aussichtslosigkeit die Kraft. Oder ich werde, wenn ich nicht mehr weiterkomme, Kompromisse eingehen und sagen – es ist halt so – ich bin ja nur ein Sünder.
  2. klingt demütig und wirkt sogar wie ein Schutz vor stolzem Pharisäertum. Wir ziehen dann aber keine Grenze mehr zwischen den Unheiligen und den Heiligen, die Gott aber bewusst zieht (Joh 13, 35; Mt 5, 44-48; 2 Kor 6, 14-18). Wir sollen uns untereinander so lieben, dass wir uns von der Welt abheben (1 Joh 2, 15) und wir sollen unsere Feinde so vollkommen lieben, wie unser Vater im Himmel es tut (Mt 5, 48). Wir sollen nicht nur das Gleiche tun, wie unser Umfeld, sondern etwas Besonderes sagt Jesus (Mt 5, 47). Dabei geht es nicht um Überheblichkeit, sondern um ein anderes Sein und Leben, das erkennbar ist (Mt 7). Es geht um den Unterschied, den Gott in uns bewirkt, es geht um Christus in uns. Und Christus IN UNS IST anders als die Welt – es sei den Christus hätte keine Gestalt in uns gewonnen (Gal 4, 19).
  3. heißt einfach, nicht von Gott zu erwarten, dass er uns zu dem macht, was er will: zu heiligen Menschen, die nach seinen Geboten leben.

Am Anfang steht immer ein falsches Menschenbild. Jedes Bild vom Menschen, das nicht von Gott inspiriert ist, ist teuflisch. Es wertet ab, tritt in dem Schmutz, raubt dem Menschen die Würde, die Gott ihm zugedacht hat, verunglimpft den Menschen, gibt ihm nicht die Ehre, die ihm zusteht, sondern will den Menschen auf etwas festlegen, das er nicht ist. Hinter einer solchen Gesinnung steckt letztlich Hass auf den Menschen und Verführung durch den Widersacher Gottes.

Um diesen Hass und um diese falsche Lehre zu verbergen, fing man in der Geschichte vieler Völker, wie auch beim Volk Gottes zuerst mit einer scheinbar sanften Umdeutung von Gottes Wahrheit an: Man nannte Menschen anders, als Gott sie nannte: Sünder statt Heilige. Das war noch kein großer Eingriff – anscheinend. Doch er machte einen großen Unterschied: Falsch gebrauchte Worte für Menschen führen zu einem falschen Verständnis von ihnen, ein falsches Verständnis von Menschen führt zu falschem Denken über ihren Wert und ihre Möglichkeiten, ein falsches Denken führt zu falschen Handeln, falsches Handeln führt zu Leid, Tod, Sünde und das alles zum Gegenteil von dem, was Gott gesagt hat und zur Unehre Gottes.

In unserer eigenen deutschen Geschichte gibt es traurige Beispiele dafür.

Und noch ein sehr wichtiger Punkt: Letztlich, wie wir im Kapitel zuvor im Alten Testament und auch in diesem Kapitel gesehen haben, gebraucht Gottes Wort den Begriff „Sünder“ nur für die, die fern von Gott leben, die ihm nicht gefallen, und die im Gericht umkommen werden. Sünder sind verflucht. Jesus wurde aber zur Sünde für uns, um uns vom Fluch der Sünde zu erlösen (Gal 3, 10-14; Röm 8, 3-4).

Daher: Wenn wir uns als Christen – in scheinbarerer Demut, aber in offenem Widerspruch zum Wort Gottes – als Sünder bezeichnen, dann behaupten wir vor der unsichtbaren Welt, dass wir weiter Verfluchte sind. Wir bekennen verflucht sein und leugnen geheiligt zu sein. Und das tun wir, obwohl uns Christus vom Fluch der Sünde losgekauft hat. Das ist ein negatives Glaubensbekenntnis. Jedes Mal, wenn wir uns als Sünder bezeichnen, obwohl wir Heilige und Gerechte sind, geben wir unserem Glauben Ausdruck, dass wir verflucht sind. Wir legen aktiv den Fluch der Sünde auf uns und unser Leben. Ja wir verfluchen uns sogar selbst.

Wer sich selbst so verflucht, wird das Heil Gottes in seinem Leben weder sehen, noch ergreifen können. Und er wird auch nicht glauben – können – was Gott aus seinem Leben bereits gemacht hat und machen kann. Er hat sich festgelegt, auf das Negative. Und ihm und ihr wird geschehen nach ihrem Glauben und nach der Kraft des Fluches, den er ausspricht und bekennt.

Es ist also wesentlich, dass wir uns nur so benennen, wie das Neue Testament uns benennt: Als Heilige und Geliebte.

Ich kann mich noch erinnern, wie ein Prediger in unserer Gemeinde einmal – zum Spaß – die Briefanrede des Paulus auf uns als Gemeinde bezog: „An die Heiligen in Hoffenheim“. Alle mussten schmunzeln. Ja, solch eine Anrede ehrt und erfreut. Aber sie verpflichtet auch: „Können wir diesem Anspruch genügen?“

Und was, wenn dies nicht nur ein Stilmittel in einer Predigt, sondern echt Realität wäre? Wenn uns unsere Prediger immer als Heilige anreden würden, wenn in jeder christlichen Zeitschrift, in unseren sozialen Medien, im Internet, in jedem Gespräch mit Geschwistern, ja überall, wo von Gläubigen gesprochen wird, diese als „Heilige“ angeredet würden?

Würden wir nicht ständig denken: „Wie kann ich diesem Anspruch genügen?“ „Wie kann ich vor meinen Bruder und meiner Schwester unheilig leben, wenn sie mich als Heiligen ansprechen?“ „Wie kann ich mich vor denen, die nicht an Christus Glauben als Heiliger bezeichnen lassen und dann unheilig leben?“ Ja, die, die Gott nicht kennen, wissen, was sich für uns als Heilige gehört und sie beobachten uns. Erleben sie uns als Schein-Heilige? Oder als Königskinder, die wie echte Prinzen und Prinzessinnen des Himmels leben? Wenn wir uns weiter als Sünder bezeichnen, obwohl wir Heilige sind, dann können und werden wir im Schutz dieser widergöttlichen Bezeichnung Sünder viel leichter ungeniert weiter sündigen.

Ist diese Frage damit geklärt? Werden wir akzeptieren, dass wir in Gottes Augen Heilige sind? Dann stellt sich die die immens wichtige Frage:

Kann ich überhaupt als Heiliger leben?

Ja, dass Gott uns Heilige nennt, macht von seiner Seite aus nur Sinn, wenn wir auch als Heilige leben KÖNNEN. Denn sonst entsteht ein Widerspruch zwischen dem Anspruch meines Namens und meinen Möglichkeiten. Das würde Gott verunehren. Und es würde uns entmutigen und in die Verzweiflung treiben – wenn wir nie das ausleben könnten, zu was wir gemacht sind.

Oder ist es nicht ein Hohn, wenn wir gelähmt auf der Bahre liegen und uns jemand als „edler Sprinter“ anredet? Ja, Gott würde uns Hohn sprechen, wenn wir unser Sein nicht auch ausleben könnten.

Und würden wir nicht an dem Anspruch zugrunde gehen, wie ein Heiliger leben zu müssen, wenn wir es nicht können? Wir würden schier daran zerbrechen, wenn das eine unmögliche Aufgabe für uns wäre. Und manch einer ist daran zerbrochen.

Doch hier kommt die gute Nachricht:

Die ganze Untersuchung in diesem Buch zeigt ja gerade, dass es sowohl Gottes Absicht ist, als auch seinen Möglichkeiten und seinem tiefsten Wunsch entspricht, dass wir das ausleben, zu was er uns gemacht hat. Er allein kann uns auch zu Heiligen dem Wesen nach machen, und nicht nur der Bezeichnung nach. Und er macht es!

Dieses Bewusstsein hatten die neutestamentlichen Schreiber. Wie in der ganzen Untersuchung des Neuen Testaments in Teil 2 gezeigt, dringen praktisch in allen neutestamentlichen Büchern immer wieder der Anspruch und die Hoffnung durch, dass genau das geschieht: Gott kann und will uns zu Heiligen machen, die nicht nur so heißen, sondern die auch siegreich, rein und heilig leben und lieben.

Wie konnten wir uns das im Laufe der Kirchengeschichte nur rauben lassen?

Zuerst gehorchten wir Gott nicht und stellten unsere Erfahrung über das Wort Gottes. Wir sahen, dass der Weg zu Heiligkeit zu mühsam war und wollten ihn nicht gehen, die Bedingungen nicht erfüllen. Wir glaubten der guten Nachricht nicht (mehr), dass Jesus auch von der Macht der Sünde errettet. Nach diesem Kompromiss und den bitteren Folgen entdeckten wir, dass wir weiter sündigten. Und dann begingen wir den folgenschweren Fehler, das Wort Gottes zu verdrehen, in dem wir unseren Sprachgebrauch an die sichtbare Wirklichkeit anpassten und den Sprachgebrauch des Wort Gottes missachteten, ja fallen ließen. Und seitdem sind auch alle Schriftstellen, die von völliger Heiligung, vollendeter Liebe, völliger Reinigung und Reinheit und schattenlosem Sein und Wandel im Licht sprechen, entweder für uns unverständlich geworden. Oder wir deuten sie um und reduzieren sie auf die geistliche Ebene unseres Standes vor Gott und unserer Beziehung zu ihm. Ja, Rechtfertigung lässt uns in den Augen Gottes als solche erscheinen, die wir nicht – aus uns selbst – sind: Als Gerechte. Aber das sind wir eben (nur) vor Gott. Und doch erwarten sowohl Gott, als auch unsere Umwelt, dass wir wie Gerechte leben. Wie viel mehr trifft das für Heilige zu. Ob wir wirklich Heiligkeit, Reinheit und Liebe in unserem Leben haben, zeigt sich in unserem Leben untereinander und vor anderen Menschen.

Das eine bedingt seither das andere. Leugnen wir, dass wir Heilige sind, so leugnen wir in der Konsequenz auch alle Bibelstellen, die bezeugen, dass wir als Heilige leben können.

Ja, die Heiligen zu Korinth, Galatien, Kolossä und Philippi und wie sie alle heißen sündigen noch und zum Teil sehr schlimm! Aber nicht alle, denn für manche sind die Verheißungen der lebenspraktischen Heiligung schon wahr geworden (Phil 3, 15; 2 Tim 2, 22; Hebr 13, 18; Jud 24; Offb 2, 8ff; 3, 7ff; 14, 1-5)!

Es ist normal, dass ein Königskind sich im Kleinkindalter beschmutzt. Ein Jugendlicher tut das immer weniger – für den Erwachsenen ist es die Ausnahme, nicht die Regel. Wir können, dürfen und sollen geistlich erwachsen werden, zur vollkommenen Mannesreife gelangen, zum vollem Maß des Wuchses in der Fülle Christi (Eph 4, 13ff). Dahin erzieht Paulus seine geliebten Kinder als Vorbild. Und diese Hoffnung und Gewissheit des göttlichen Willens und der göttlichen Gnade stellt er ihnen vor Augen. Gott hat uns mit unserer Wiedergeburt zu Heiligen gemacht. Und wenn wir in Jesus bleiben, erzieht er uns zu Heiligen und macht uns schon in diesem Leben seine Heiligkeit teilhaftig (Hebr 12, 10+14; 2 Petr 1, 4).

Wir halten fest. Es ist ein folgenschwerer Fehler, Heilige als Sünder zu bezeichnen. So verdrehen wir die Schrift. So unterstellen wir, dass Gott für uns nichts tun kann, nachdem er uns berufen und durch sein Blut geheiligt hat. Und wir glauben am Ende allen Verheißungen nicht mehr, die genau darauf abzielen. Wir glauben dem Fluch Adams mehr als dem Sieg Christi. Diese teuflische Gehirnwäsche zur falschen Sicht von uns als Gläubigen und Heiligen beginnt genau da, wo wir unsere Erfahrung höher bewerten als das Wort Gottes. Und wo wir dann durch Umbenennung die Tatsachen verdrehen.

Sollte Gott gesagt haben, dass wir Heilige und nicht doch Sünder sind?

  • Denn Sünder werden nur sündigen können, egal wie viel sie wachsen…
  • Heilige können und werden aber heilig leben, wenn sie geistlich erwachsen geworden sind.

 

Weil Gott uns zu Heiligen gemacht hat, können wir Sieg über die Sünde haben. Das Wort Gottes leugnet nicht, dass die Gläubigen in ihrer Gesamtheit und auch in den Gemeinden auf viele Art sündigen. Aber es nennt sie Heilige. Und es sagt praktisch in jedem Lehrbrief, dass die Gläubigen durch einen Gnadenakt Gottes in einen Gnadenstand kommen können und den auch als höchstes Ziel anstreben sollen, in dem sie nicht mehr sündigen. Das ist die gute Nachricht, niemand muss daran zerbrechen. Dann ist der Name „Heilige“ endlich Programm geworden.

 

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