Philipper

© Heino Weidmann Hat Gott wirklich? gesagt – 95ThesenTeil2.de zu deinem Sieg über die Sünde durch Jesus Christus, Teil 2  Das Neue Testament – Einzelbuchbetrachtungen – Philipper, epubli.de, 2021.

Philipper

Phil 1, 9-11 S
Und ich bete auch darum, dass eure Liebe immer reicher an Verständnis und Einsicht wird, damit ihr euch für das entscheidet, worauf es ankommt, und am Tag von Christus rein und tadellos vor ihm steht.

Hier ist nicht vom rechtlichen Stand der Christen in Philippi vor Gott die Rede, sondern von der sichtbaren Ausprägung ihres geistlichen Lebens in ihnen durch Christus in dieser Welt. Und dieses Ziel ist: Rein und tadellos vor Christus zu stehen – durch ein Leben einsichtsreicher Liebe, das die richtigen Prioritäten setzt. Wenn die Philipper nicht so leben würden bis zum Tag Christi, wären sie nicht rein und nicht tadellos. Christen können also, wenn sie dem Liebesgebot Christi nicht folgen, unrein und tadelnswert von Christus vorgefunden werden, wenn er wiederkommt. Genau das Gegenteil will Paulus von den Philippern und traut es ihnen auch zu. Sie sollen am Tag des Gerichts rein und tadellos vor Christus stehen. Und das soll und kann durch einen entsprechenden Lebenswandel geschehen – nicht nur durch die kostbare Vergebung. Wir vermissen hier wiederum einen Bezug auf bleibende Unreinheit und Tadelnswertigkeit unseres Wandels. Wenn es so wäre, würde die Sünde weiter in uns herrschen. Nein, es ist möglich so zu leben, dass wir einmal rein und tadellos vor ihm stehen. Das ist, was Paulus ganz klar auch für sich selbst zum Ausdruck bringt.

Phil 1, 20-21 S
Nach meiner Erwartung und Hoffnung, dass ich in nichts zuschanden werde, sondern dass in aller Freimütigkeit, wie allezeit, so auch jetzt, Christus hochgepriesen werde an meinem Leibe, es sei durch Leben oder durch Tod. Denn für mich ist Christus das Leben, und das Sterben ist mein Gewinn.

Bei Paulus wurde „allezeit“ „Christus hochgepriesen“ durch sein Leben in seinem Körper. Kann das jemand sagen, dessen Theologie es ist, dass jeder Christ in diesem Leben nichts Anderes zu erwarten hat, als immer wieder zu fallen und aufzustehen? Nein. Und Paulus erhofft und erwartet auch für den Rest seiner Tage, dass er in NICHTS zuschanden wird. IN NICHTS. Was traut er Gott alles zu? Und er erklärt auch das Geheimnis einen solchen Lebens. Denn für mich ist Christus das Leben, und das Sterben ist mein Gewinn. Für Paulus gibt es nur Christus in seinem Leben, sein Leben IST Christus. Und da er seinem alten Leben schon gestorben ist, kann ihn der Tod nicht schrecken. Wer ganz frei ist von eigenem Wünschen und Sehnen, wer nur noch das Wünschen und Sehnen Christi kennt und will, dem ist Christus Gewinn in diesem und im zukünftigen Leben. Dessen Leben IST CHRISTUS, das einzige mögliche siegreiche Leben in dieser Welt.

Phil 2, 2-5 S
So macht meine Freude völlig, indem ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und auf eines bedacht seid, nichts tut aus Parteigeist oder eitler Ruhmsucht, sondern durch Demut einer den andern höher achtet als sich selbst, indem jeder nicht nur das Seine ins Auge fasst, sondern auch das des andern. Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie es Jesus Christus auch war.

Sollte Gott durch Paulus gesagt haben, dass wir NICHTS aus Parteigeist oder eitler Ruhmsucht tun sollen und es daher auch können? Wieviel bleibt von Parteigeist und eitler Ruhmsucht noch übrig, wenn nichts mehr da ist?

Sollte Gott durch Paulus gesagt haben, dass wir genauso gesinnt sein sollen, und es damit auch können, wie Jesus Christus es war?

Beides mag jeder für sich selber überlegen und entscheiden. Es ist nur merkwürdig, wie leicht es uns fällt zu glauben, was Gott uns zusagt, wenn es um unsere Schuld geht und dass er uns ALLE unsere Sünden vergibt. Warum sollen wir dann nicht völlig frei werden können von falschen Motivationen und genauso gesinnt sein können, wie Jesus Christus es war? Machen wir hier nicht einen Unterschied, den es bei Gott nicht gibt?

Phil 2, 14-15 S
Tut alles ohne Murren und zweifelnde Überlegungen, auf dass ihr tadellos und lauter seid, unbescholtene Kinder Gottes, inmitten eines verdrehten und verkehrten Geschlechts, unter welchem ihr scheint wie Lichter in der Welt.

Alles, allezeit und nichts, genauso wie Christus, tadellos. Solche Extremwörter tauchen im Philipperbrief ständig auf. Wie ernst gemeint sind diese Extremformulierungen? In der Seelsorge und Psychologie werden wir davor gewarnt so einseitig auf Extrempunkten zu kategorisieren. Immer tust du das und das. Nie tust du was ich dir sage… Und Paulus – Gott durch Paulus – wendet diese Extreme ständig im positiven Sinn auf sein eigenes Leben und auf das Leben an, das Gott für die Philipper vorgesehen hat. Seiner Überzeugung nach können und sollen sie so leben. Er sagt nicht „wenigstens ein bisschen“, „möglichst viel“, „versucht, wie weit ihr kommt“. Nein, er ist radikal in seinen Ermahnungen: Alles, allezeit, nichts, genauso wie Christus, tadellos. So können und sollen wir leben. Und das ist seiner Meinung nach auch nötig, um tadellos, rein und lauter vor Christus zu stehen. Im Leben jetzt und wenn er wiederkommt, nicht nur in unserem rechtlichen Stand vor Gott. Für Paulus sind alles, allezeit, nichts, genauso wie Christus, tadellos leb- und erreichbare Extremwörter.

Phil 2, 19-22 N
Im Vertrauen auf Jesus, unseren Herrn, hoffe ich, Timotheus bald zu euch zu schicken; damit auch ich ermutigt werde, wenn er mir dann berichten kann, wie es euch geht. Ich habe sonst niemand, der so ganz meines Sinnes ist und sich so aufrichtig um euch kümmern wird wie er. Alle anderen sind nur auf sich selbst bedacht und kümmern sich nicht um das, was Jesus Christus wichtig ist.

Ja, hier kommt eine große Ernüchterung. Paulus hat außer Timotheus sonst niemand, der so ganz seines Sinnes ist, alle suchen das Ihre und nicht das, was Jesus Christus wichtig ist. Was beweisen und zeigen diese Verse? Dass es doch keine christliche Vollkommenheit gibt? Bei Gott schon. Denn Paulus und Timotheus hatten sie ja! Es ist nur die Frage, was die Mehrheit der Gläubigen daraus macht. Nur weil viele oder die meisten nicht so leben, heißt es noch nicht, dass es unmöglich ist. Es zeigt nur, dass es vergleichsweise schwer und selten ist. Und es ist ein Argument, das auf der Lebenserfahrung aufbaut und nicht auf dem Wort Gottes. Und genau das wollen wir ja mit dem Ansatz der Untersuchung von Gottes Wort in diesem Buch vermeiden. Wir wollen uns nicht von unseren Erfahrungen bestimmen lassen, sondern von Gottes Wort. Und das sagt uns zu, dass wir allezeit rein und tadellos und lauter als Lichter in dieser finsteren Welt leben können und sollen. Und es stellt uns Paulus und Timotheus als lebendige Briefe Gottes für diese Wahrheit vor Augen. Mag sein, dass dieser Weg ein schmaler Weg ist, den wir einsam gehen müssen. Aber hat uns Christus irgendetwas anderes verheißen? Ging er nicht einsam seinen eigenen Gehorsamsweg mit Gott? Und sollen wir nicht die gleiche Gesinnung haben wie er? Nein, Zahlen sind in der ganzen Bibel kein Beweis dafür, dass etwas nicht möglich sein sollte bei Gott. Was auch nur einer erreicht, das können, wollen und sollen wir alle erreichen.

Phil 3, 17-19 S
Seht auf die, welche so wandeln, wie ihr uns zum Vorbild habt. Denn viele wandeln, wie ich euch oft gesagt habe, nun aber auch weinend sage, als «Feinde des Kreuzes Christi», welcher Ende das Verderben ist, deren Gott der Bauch ist, die sich ihrer Schande rühmen und aufs Irdische erpicht sind.

Paulus konnte sich ohne Einschränkung, und ohne sich für seine Fehler oder Sünden zu entschuldigen, den Philippern als nachahmenswertes Beispiel vorstellen. Das sagt er selber. Oder vielleicht doch nicht, ist Paulus vielleicht doch selbst ein unvollkommenes Vorbild?

Phil 3, 12-14 N (E)
12 Ich will nicht behaupten, das Ziel schon erreicht zu haben oder schon vollkommen (vollendet) zu sein; doch ich strebe danach, das alles zu ergreifen, nachdem auch Christus von mir Besitz ergriffen hat. 13 Nein, ich bilde mir nicht ein, es schon geschafft zu haben, liebe Geschwister; aber eins steht fest. Ich vergesse das Vergangene und schaue auf das, was vor mir liegt. 14 Ich laufe mit aller Kraft auf das Ziel zu, um den Siegespreis droben zu gewinnen, für den Gott uns durch Jesus Christus bestimmt hat.

Das Verständnis dieser Schriftstelle ist wesentlich. Jagt der im Glauben reife Apostel immer noch einer christlichen Vollkommenheit hinterher, die er nie erreichen kann? Ist das Paulus´ und aller Christen Schicksal?

Zum einen geht es in dieser Passage darum „vollkommen“ (S), bzw. „vollendet“ (E) zu sein hier in der deutschen Übersetzung. Das ist das Ziel von Paulus und dieses Ziel hat er noch nicht erreicht nach so vielen Jahren im Glauben (V. 12). Dann wiederholt Paulus sein Ziel noch einmal mit anderen Worten (V. 14). Da wird deutlich: Es ihm um den Siegespreis droben. Den will Paulus erreichen. Diese beiden Stellen machen deutlich: Hier geht Paulus also um das Ankommen und gekrönt werden im Himmel. Die ganze Passage ist vom Bild des Wettlaufs auf den Himmel geprägt.

Damit ist ganz klar, dass Paulus hier im Philipperbrief in den Versen 3, 12-14 nicht von der Vollkommenheit seiner moralisch-geistlichen Lebensführung spricht, sondern wie Jesus von der Vollendung seines Lebenswerkes, das er ersehnt, aber das er noch nicht erreicht hat.

Was wir weiter lesen, bestätigt diese Sicht. Das, was Paulus noch nicht erreicht hat ist das Ziel der „Auferstehung“ von den Toten, es geht ihm also tatsächlich um das Ankommen im Himmel, um die Erfüllung des Lebenslaufs zum Himmel.

Weil das richtige Verständnis dieser Schriftstelle so maßgeblich wichtig ist zur Entscheidung der Frage, ob es schon eine christliche Vollkommenheit in diesem Leben gibt oder nicht, wollen wir zu dieser Passage verschiedene Wortstudien durchführen.

Das Wort, das in Phil 3,11 allgemein mit „Auferstehung“ übersetzt wird, heißt im Griechischen ἐξανίστημι exanístēmi, wörtlich übersetzt Heraus-Auferstehung“17. Dieses Wort kommt im Neuen Testament nur ein einziges Mal und genau an dieser Stelle vor. Sonst wird IMMER nur das Wort ανίστημ „anístēmi“ für die Auferstehung von den Toten verwendet.

Warum gebraucht Paulus genau an dieser Stelle dieses besondere Wort mit der Vorsilbe „ex“, „heraus“? Die „normale“ Auferstehung als Hoffnung aller Christen kann er kaum gemeint haben, da er an anderen Stellen sowohl von sich selbst, als auch von seinen Hörern selbstverständlich davon ausgeht, dass sie zur Auferstehung von den Toten gelangen werden. Sie wird jedem Christen mit seiner Bekehrung geschenkt. Was meint Paulus also in der letzten Phase seines Lebens mit exanastasis“?

Eine mögliche Erklärung ist, dass er damit eine besondere Form der Auferstehung meinte, die nicht alltäglich ist. Denken wir z.B. nur an die erste Auferstehung von den Toten in der Offenbarung, bei der nur Märtyrer und die Überwinder über das Tier auferstehen werden (Offb 20,4). Oder aber er sprach von einer besonderen Auferstehung wie der Hebräerbriefschreiber in Hebräer 11, wo Glaubenshelden ihre Befreiung nicht annahmen, um eine Auferstehung zu erlangen, die besser ist.

Gut harmonieren mit dieser Auslegung würde auch der sehnliche Wunsch des Paulus im Vers 10 davor „dem Tode Christi gleichgestaltet zu werden“. In diesem Fall wollte Paulus gegebenenfalls die Auferstehung, „die besser ist“ (Hebr 11, 35) durch eine noch intensivere Teilhabe an den Leiden Christi erlangen.

Das Mindeste, was man aus diesen Schriftstellen ableiten kann ist, dass Paulus hier etwas Besonderes und nichts Alltägliches erlangen wollte, etwas das kein Christ schon mit seiner Bekehrung geschenkt bekommen hat. Und das hat er noch nicht ergriffen und auf diesem Weg ist er noch nicht vollendet oder vollkommen (V. 13). Er jagt ihm aber nach – dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis, den die in Christus Jesus ergangene himmlische Berufung in Aussicht stellt.

Hier wird also der Siegespreis der himmlischen Berufung mit dem gleichgestellt, was Paulus in seinem Leben erreichen will und was er noch nicht erreicht hat. Es geht um die Vollendung seines Lebenswerkes in Christus. Das ist eine ganz andere Sache, als christlich vollkommen zu sein. Paulus möchte eine Bestätigung von Gott schon in diesem Leben, dass er seiner Berufung bis ans Ende treu geblieben ist.

Doch wird diese Auslegung noch von anderer Seite unterstützt? Dazu sehen wir uns das Wort näher an, dass in den meisten deutschen Übersetzungen an dieser Stelle mit „vollkommen“ oder „vollendet“ wiedergegeben wird.

Phil 3, 12-13 N (E)
Ich will nicht behaupten, das Ziel schon erreicht zu haben oder schon vollkommen (vollendet) zu sein;

Folgendes Bedeutungsspektrum hat das Wort τελέω „teleioō“ , das hier mit vollkommen/vollendet übersetzt ist, nach dem Strong Griechisch Wörterbuch (Nr. 5055)17:

  1. abgeschlossen, beendet, fertig

2 erfüllen, abschließen, vervollständigen (was getan wird, was gesagt wurde. Der letzte Punkt einer Reihenfolge, eines Befehls usw.)

3 zu tun, wie geboten. In der Regel im Zusammenhang mit der Zeit, um die letzte Handlung, einen Prozess abzuschließen, zu erfüllen, zu beenden

  1. bezahlen (z.B. von Tribut)

In der Summe heißt das Wort vollenden, vollbringen, erfüllen, abschließen, zu seinem vollständigen Ende bringen.

Es ist das gleiche Wort, das Christus verwendet, als er in Joh 19, 30 S sein letztes Wort auf Erden sagt: Es ist vollbracht!

Und damit fügt sich die Bedeutung von „teleioō“ sich sehr gut in die Auslegung ein, dass Paulus an dieser Stelle von der Vollendung seines Lebenswerkes sprach.

Und tatsächlich, im zweiten Timotheusbrief bezeugt Paulus, dass er genau diese im Philipperbrief noch fehlende Bestätigung von seinem Herrn bekommen hat. Während er noch lebte, kann er Timotheus gegenüber schon sagen, das der Siegeskranz Christi für sein Lebenswerk schon bereitliegt und dass er jetzt seinen Lauf vollendet hat (Phil 4, 7-8). Und tatsächlich gebraucht Paulus für das Wort „vollendet“ bei Timotheus das τελέω „teleioō“, das gleiche Wort, das Christus am Kreuz ausrief.

Damit wird klar: Paulus jagt hier der Vollendung seines Lebenswerkes nach.

Aber gibt es auch eine geistliche Vollkommenheit und hatte Paulus sie, hatten andere sie?

Phil 3, 15 N
Und zu allen „Vollkommenen“ sage ich. Lasst uns das bedenken!

Ja, es gibt noch eine andere Vollkommenheit. In Vers 15 beansprucht Paulus tatsächlich Vollkommenheit in diesem Leben für sich und andere. Er redet zu Vollkommenen und sagt „uns“. Für diese Vollkommenheit verwendet er das griechische Wort τέλειος, teleios (Strong G5046). Es bedeutet nach dem griechischen Englisch-Lexikon des Neuen Testaments Thayer

  1. zu Ende gebracht, fertig
  2. nichts zur Vollständigkeit fehlend
  3. vollkommen
  4. vollendete menschliche Integrität und Tugendhaftigkeit; ausgewachsen, voll erwachsen, reif

Und damit liegt der Bedeutungsschwerpunkt von τέλειος, teleios auf einer Reife, der nichts fehlt, die vollkommen ist.

τέλειος, teleios ist genau das Wort, das Christus in der Bergpredigt verwendet, als er seine Jünger auffordert, vollkommen wie ihr Vater im Himmel (in der Feindesliebe) zu sein.

Jeder, der vollkommen (τέλειος, teleios) ist, soll mit und wie Paulus das Ziel von Vers 11-14 vor Augen haben: Die Vollendung (τελέω, teleioō) seines Lebenswerkes. Und Paulus fügt als Ziel für sich selbst noch die mögliche Heraus-Auferstehung von den Toten an.

Paulus grenzt also die Liebesvollkommenheit seines Lebens als Christ, die er und andere zum Zeitpunkt der Abfassung des Philipperbriefes schon hatten, von der Vollendung seines Lebenswerkes ab, das er zu diesem Zeitpunkt noch nicht erreicht hatte.

Wenn Paulus nicht im biblischen Sinn vollkommen war, wie hätte er dann auch die folgende Aussage hier schreiben können, ohne zumindest anzudeuten, dass es doch noch ein paar Bereiche gab, die die Philipper bei ihm nicht hätten nachahmen sollen?

Phil 4, 9 N
Und handelt nach dem, was ihr von mir gelernt und gehört, und was ihr auch an mir gesehen habt! Dann wird der Gott des Friedens mit euch sein.

Paulus stellt sich hier als Modell ohne Fehler in allen Lebensbereichen vor, dem die Philipper nachahmen sollen! Und die Philipper haben ihn in seinen dunkelsten Stunden erlebt!

Nein, Paulus besaß christliche Liebesvollkommenheit und konnte sich damit ohne Scheu als Vorbild für andere in seiner ganzen Lebensführung empfehlen. Deshalb kann er auch ohne Bedenken die ganze Bandbreite von Extremwörtern in seinen Ermahnungen an die Philipper verwenden: alles, allezeit, nichts, genauso wie Christus, tadellos.

 

Zusammenfassung Philipperbrief

Paulus erwartet, dass die Philipper durch einen entsprechenden Wandel in der Liebe am Tag von Christus rein und tadellos vor ihm stehen können. Er selber hofft und strebt auch an, in nichts zuschanden zu werden, so wie er jetzt schon allezeit zum Lob Christi lebt, der sein Leben ist. Nichts sollen die Philipper aus Parteigeist oder eitler Ruhmsucht tun, sondern durch Demut einer den andern höher achten als sich selbst, sie sollen so gesinnt sein, wie es Jesus Christus auch war – eine unglaubliche Aufforderung überhaupt, und dann noch von einem Lehrer, der das selber alles umsetzte. Alles sollen die Philipper ohne Murren und zweifelnde Überlegungen tun. Erst dann sind sie tadellos und lauter, unbescholtene Kinder Gottes, inmitten eines verdrehten und verkehrten Geschlechts, unter welchem sie scheinen wie Lichter in der Welt. Paulus konnte Timotheus und sich den Philippern uneingeschränkt zum Vorbild geben, von dem sie alles, was sie von ihm gelernt und gehört und was sie auch an ihm gesehen hatten nachahmen konnten, alles. Und Paulus beanspruchte für sich und andere in Demut christliche Liebesvollkommenheit. Dabei war er sich bewusst, dass er seinen Lauf noch nicht vollendet hatte. Das Ziel, seinen Lauf zu vollenden hatte Paulus aber fest im Blick. Er erwartete fest, Christus durch sein Leben wie allezeit bis zum Ende seines Laufs zu verherrlichen und in nichts zuschanden zu werden.

 

Damit geht für mich der Philipperbrief ganz klar pro mögliche vollkommene Heiligung aus.

 

contra

Phil 3, 12-13 N (E)
Ich will nicht behaupten, das Ziel schon erreicht zu haben oder schon vollkommen (vollendet) zu sein; doch ich strebe danach, das alles zu ergreifen, nachdem auch Christus von mir Besitz ergriffen hat. Nein, ich bilde mir nicht ein, es schon geschafft zu haben, liebe Geschwister; aber eins steht fest. Ich vergesse das Vergangene und schaue auf das, was vor mir liegt.

 

pro

Phil 2, 2-5 S
… nichts tut aus Parteigeist oder eitler Ruhmsucht, sondern durch Demut einer den andern höher achtet als sich selbst, indem jeder nicht nur das Seine ins Auge fasst, sondern auch das des andern. Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie es Jesus Christus auch war.

Phil 1, 20-21 S
…nach meiner Erwartung und Hoffnung, dass ich in nichts zuschanden werde, sondern dass in aller Freimütigkeit, wie allezeit, so auch jetzt, Christus hochgepriesen werde an meinem Leibe, es sei durch Leben oder durch Tod. Denn für mich ist Christus das Leben, und das Sterben ist mein Gewinn.

Phil 2, 14 S
Tut alles ohne Murren und zweifelnde Überlegungen, auf dass ihr tadellos und lauter seid.

Phil 4, 9 N
Und handelt nach dem, was ihr von mir gelernt und gehört, und was ihr auch an mir gesehen habt!

Phil 3, 15 N
Und zu allen „Vollkommenen“ sage ich. Lasst uns das bedenken!

 

Meine Beobachtungen