Lukas

© Heino Weidmann Hat Gott wirklich? gesagt – 95ThesenTeil2.de zu deinem Sieg über die Sünde durch Jesus Christus, Teil 2  Das Neue Testament – Einzelbuchbetrachtungen – Lukas, epubli.de, 2021.

Lukas

Auch wenn in diesem Buch und an dieser Stelle nur eine buchweise Betrachtung erfolgt, so lege ich aufgrund mancher Überschneidungen mit Matthäus und Markus das Augenmerk vor allem auf das Sondergut bei Lukas.

Das Lukasevangelium beginnt mit einem Paukenschlag im prophetischen Lobpreis des Zacharias.

Lk 1, 74-75 N
Befreit aus der Hand unserer Feinde dürfen wir ihm nun ohne Furcht dienen, in Heiligkeit und Gerechtigkeit, so lange wir am Leben sind.

Es ist also möglich, Gott in diesem Leben auf der Erde nicht nur in Gerechtigkeit, sondern auch in Heiligkeit zu dienen. Wir können aus der Hand unserer Feinde befreit werden. Und wer ist unser größter Feind, wenn nicht die Sünde, die seit Adams Fall in uns wohnt? Und der Teufel macht sich sein Werk, die Sünde in uns, zunutze, um uns ständig Niederlagen beizubringen. Der Teufel und die Sünde in uns und unsere verdorbene Natur in uns sind unsere Feinde. Wenn wir aus ihrer Macht befreit sind, welche Möglichkeiten haben sie dann noch? Die Antwort liegt auf der Hand: Keine. Die Befreiung von der Schuld der Sünde ist nur ein Teil der ganzen Befreiung, durch die wir keine Furcht mehr haben brauchen. Wir werden nicht nur von den Symptomen unserer Krebserkrankung geheilt, so dass der Krebs uns keine Schmerzen mehr macht, aber immer noch da ist. Nein, der Krebs ist völlig besiegt durch unseren starken Erlöser. Der Sündenkrebs kann uns nicht mehr zwingen, zu sündigen. Auch davor brauchen wir keine Angst mehr zu haben. Wir dürfen Gott in Heiligkeit und Gerechtigkeit dienen unser Leben lang. Wir dürfen Sieg haben. Und die Verheißung gilt nicht nur für einzelne Siege, sondern unser ganzes Leben lang. So mächtig und treu ist Gott.

Lk 3, 16 S
Der wird euch im Heiligen Geist und Feuer taufen.

Der Mensch ist von Natur aus nicht heilig und lebt nicht heilig. Auch Lukas sagt uns, wie Unheilige heilig werden können. Er zeigt uns, wie Menschen, die die Hölle verdienen, zu Menschen werden können, die von Gottes Feuer brennen ohne zu verbrennen: Christus tauft seine Nachfolger mit dem Heiligen Geist und mit Feuer.

Bei seiner Antrittspredigt in Nazareth stellt sich Jesus mit seinem Dienst vor.

Lk 4, 18-19 S
Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat; er hat mich gesandt, den Armen frohe Botschaft zu verkünden, zu heilen, die zerbrochenen Herzens sind, Gefangenen Befreiung zu predigen und den Blinden, dass sie wieder sehend werden, Zerschlagene in Freiheit zu setzen; zu predigen das angenehme Jahr des Herrn.

Diese Prophetie aus Jesaja galt Jesus. Jesus tat anschließend diese Dinge. Das meiste wörtlich, aber nicht nur. Jesus holte niemanden aus einem äußeren Gefängnis, auch Johannes den Täufer nicht. Er machte das bedrückte Israel nicht von der Herrschaft der Römer frei. Verarmte hörten kein Wohlstandsevangelium. Nein Jesus handelte vielmehr am inneren Menschen.
Ja, sein Dienst war auch physisch, körperlich. Es wurden Blinde sehend und Lahme gingen und Tote standen auf. Aber Jesu Dienst war vor allem geistlich. Das wird auch aus vielen anderen Stellen bei Lukas deutlich (z. B. Lk 6, 39ff; 8, 4ff; 9, 60; 10, 19; 11, 33ff; 14, 33-35, 22,19). Damit stellt sich die Frage, aus welcher Gefangenschaft und Zerschlagung Jesus befreit und von welcher Blindheit er heilt. Sollten wir etwa Hilfe von der Knechtschaft der Sünde von ihm erwarten dürfen, der wir unterworfen sind? Wenn ja, dann macht der Text klar: Bei Jesus gibt es keine Einschränkungen. Er macht wirklich frei, wirklich heil, wirklich sehend, wirklich reich, wirklich gesund. Unser innerer Mensch darf uneingeschränkt auf ihn hoffen.

Lk 6, 40 S
Der Jünger ist nicht über dem Meister; wenn er aber ganz vollendet ist, so wird er sein wie sein Meister.

Im zweiten Halbsatz sagt Jesus ganz klar, dass ein vollendeter Jünger wie sein Meister sein kann, ja sein wird. Es ist ein ungeheurer Anspruch, ja eine extrem umfassende Verheißung, WIE Jesus zu sein. Jesus hatte Sieg über die Sünde. So will Jesus uns an seinem Sieg Anteil geben. Das griechische Wort für „vollendet“ ist an dieser Stelle katartizō. Nach dem Strong Wörterbuch17 hat es folgendes Bedeutungsspektrum:

  • Gesund, vollständig machen, gründlich wiederherstellen
  1. Reparieren, was zerbrochen ist, hinbiegen
  2. Ausstatten, in Ordnung bringen, anpassen
  3. Ethisch: stärken, vollkommen machen, jemanden zu dem machen, was er sein soll

Wenn uns diese Verheißung Jesu keine Hoffnung gibt, dass Jesus uns aus unserem Sündersein erlösen und wieder ins heile Bild Gottes versetzen kann, was dann? Und wenn wir uns fragen, wie weit diese Wiederherstellung eines Sünders gehen kann, gibt es keine Begrenzung als die von Jesus selbst. Wenn Jesus sein Werk an seinem Jünger getan hat, das er tun will, dann ist der Jünger wie sein Meister, ohne jede Einschränkung. Und der ganze Kontext spricht davon, dass dies in diesem Leben geschieht.

Lk 6, 43-48 N
Ein guter Baum trägt keine schlechten Früchte und ein schlechter Baum keine guten. Einen Baum erkennt man an seinen Früchten. Von Dornen pflückt man keine Feigen und von Gestrüpp kann man keine Weintrauben ernten. Ein guter Mensch bringt Gutes hervor, weil er in seinem Herzen gut ist. Ein böser Mensch bringt Böses hervor, weil sein Herz mit Bösem erfüllt ist. Dein Reden ist von dem bestimmt, was in deinem Herzen ist. Was nennt ihr mich immerzu ‚Herr‘, wenn ihr doch nicht tut, was ich sage? Ich will euch zeigen, mit wem ich den vergleiche, der zu mir kommt, auf meine Worte hört und tut, was ich sage. Er gleicht einem Mann, der ein Haus baut und dabei so tief ausschachtet, dass er das Fundament auf Felsengrund legen kann. Wenn dann das Hochwasser kommt und die Flut gegen das Haus drückt, bleibt es stehen, denn es ist gut gegründet.

Es erfolgt hier keine Festlegung, dass der Mensch NUR schlecht ist. Es gibt ohne Frage schlechte Menschen, aber es kann anscheinend auch gute Menschen geben. Es ist nur die Frage, wie gut. Jesus erwartet vollen Gehorsam gegenüber seinen Geboten und hält das auch für möglich. Denn er prangert den Widerspruch an, dass Menschen ihn „Herr“ nennen und nicht tun, was er sagt. Wer tut, was er sagt, ist gut.

Das Sämann-Gleichnis in Lk 8, 4-15 macht Hoffnung, dass es möglich ist, durch das Hören und Umsetzen des Wortes Gottes 100-fach Frucht zu bringen. Solche Menschen bezeichnet Jesus in Lk 8, 19-21 als seine wahren Verwandten.

Lk 9, 23-25 N
Wenn jemand mein Jünger sein will, dann muss er sich selbst verleugnen, er muss täglich sein Kreuz aufnehmen und mir folgen. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren. Wer aber sein Leben meinetwegen verliert, der wird es retten.

Als Bedingung der Nachfolge wird von Jesus vorausgesetzt, dass seine Jünger ihr Leben um Jesu willen ganz verlieren, um es so (wieder) zu retten. Die Frage ist: Haben wir unser (Eigen-) Leben schon ganz um Jesu willen verloren? Qualifizieren wir uns als seine Jünger? Wenn ja, können wir auch alle seine Verheißungen in vollem Glauben in Anspruch nehmen.

Lk 10, 19 E
Siehe, ich gebe euch die Gewalt, auf Schlangen und Skorpionen zu treten, und über die ganze Kraft des Feindes, und nichts soll euch irgendwie beschädigen.

Der erste Sinn der Aussage ist ganz klar Vollmacht. Mit ihr können die Jünger im Namen Jesu Dämonen austreiben. Aber auch die Erbsünde ist das Werk des Teufels. Sie ist das größte Werkzeug der dämonischen Feinde. Kann Jesus auch Vollmacht geben, die Erbsünde auszutreiben, da er doch die Sünde hasst und zutiefst vor ihr warnt? Ja, Jesus kann Vollmacht über die GANZE Kraft des Feindes geben sagt Jesus.

Auch Lukas betont, wie Jesus das höchste Doppelgebot der Liebe bestätigt.

Lk 10, 27 N
Er (der Gesetzeslehrer) erwiderte. Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe, mit all deiner Kraft und mit deinem ganzen Verstand. Und deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst. Du hast richtig geantwortet, sagte Jesus. Tu das, dann wirst du leben!

Jesus relativiert auch hier dieses Gebot nicht. Er sagt nicht, dass es unmöglich ist. Sondern er fordert ausdrücklich dazu auf, es in die Tat umzusetzen. Dann muss es auch möglich sein.

Es gibt eine kurze Version des Vaterunsers bei Lukas.

Lk 11, 2-4 N
Jesus sagte zu ihnen. „Wenn ihr betet, dann sprecht. Vater, dein heiliger Name werde geehrt! Deine Herrschaft komme! Gib uns jeden Tag, was wir zum Leben brauchen! Und vergib uns unsere Sünden! Auch wir vergeben jedem, der an uns schuldig geworden ist. Und führe uns nicht in Versuchung!“

Der Name des Vaters soll geheiligt und die Gläubigen nicht in Versuchung geführt werden. Und Dank sei Gott gibt es die Gnade der Vergebung.

Hier wird so selbstverständlich um die Vergebung der Schuld gebeten, dass es ein starkes Argument ist, dass es ohne Schuld bei den Jüngern nicht abgeht oder abgehen kann. Ein Gesetz, dass jeder Gläubige immer (wieder) vor Gott schuldig werden muss, kann an dieser Stelle aber auch nicht mit völliger Sicherheit abgeleitet werden, auch wenn es naheliegt. Denn dann würde man die Wirksamkeit der Bitte und führe uns nicht in Versuchung zu niedrig ansetzen. Sie steht auf gleicher Ebene wie die Vergebung.

Und ist es Zufall, dass uns Jesus im Abschnitt direkt danach auffordert, ihn so „unverschämt“ zu bedrängen, bis er uns seinen Heiligen Geist gibt?

Und trotz dieser Ermutigung bringt Jesus anschließend das beste Argument für den schlechten Zustand seiner Nachfolger.

Lk 11, 13 E
Ihr, die ihr böse seid.

Böse nennt er sie. Und er spricht zu seinen Jüngern. Das ist eine bittere Bestandsaufnahme und ein klarer Punktgewinn für die Lehre, dass wir böse SIND und es ohne ein Eingreifen Gottes auch bis zu unserem Ende bleiben.

Als Kontrast gibt Gott im gleichen Vers aber seine GUTE Gabe, seinen Heiligen Geist denen, die ihn bitten.

Lk 11, 13 N
Wie viel eher wird dann der Vater aus dem Himmel denen den Heiligen Geist geben, die ihn bitten.

Und so kann Jesus in Lk 6,43-45 auch von „guten Bäumen“ und „guten Menschen, die aus dem guten Schatz ihre Herzens Gutes hervorbringen“ reden.

Daher kommt die Frage auf, ob das Gute und das Böse gleichzeitig vorhanden sein können. Wenn wir bei Lukas bleiben und nicht andere Schriften des NT zu Rate ziehen, ist es ganz klar. Bei Jesus gibt es entweder nur das eine oder das andere. Gut oder böse, gut oder schlecht. Gut ist, wer den Willen Gottes TUT.

Lk 11, 33-36 S
Niemand zündet ein Licht an und setzt es an einen verborgenen Ort, auch nicht unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter, damit die Hereinkommenden das Licht sehen. Dein Auge ist des Leibes Leuchte. Wenn nun dein Auge lauter ist, so ist auch dein ganzer Leib licht; wenn es aber böse ist, so ist auch dein Leib finster. So siehe nun zu, dass das Licht in dir nicht Finsternis sei! Wenn nun dein ganzer Leib licht ist, so dass er keinen finsteren Teil mehr hat, so wird er ganz hell sein, wie wenn das Licht mit seinem Strahl dich erleuchtet.

Auch bei Lukas spricht Jesus vom Auge als Lampe des Leibes. Sie bestimmt, ob es in unserem Inneren hell oder finster ist. Wenn unser Auge ganz lauter ist, dann kann es nach Jesus in unserem Inneren so hell sein, dass KEINE Finsternis mehr in uns ist. Wir bestehen und leuchten dann komplett und ausschließlich aus einem Licht, das von außen kommt. Es ist kein eigenes Licht. Aber wir lassen es herein. Und dafür haben wir eine Verantwortung. Das ist ein sehr starkes Argument dafür, dass aus einem Mensch alle Dunkelheit vertrieben werden kann. Wir können innerlich ganz hell und rein werden. Dieses Argument überwiegt meines Erachtens auch die Bestandsaufnahme Jesu, dass seine Zuhörer böse sind. Denn dass wir böse sind deckt nur unsere natürliche, aktuelle Situation ab. Die Lichtworte Jesu dagegen sind eine Verheißung: Das kann aus einem Menschen werden, wenn sein Auge lauter ist: Licht ohne Schatten.

Welchen Charakter hat diese mögliche Veränderung? Nichts, was ein Mensch substanziell aus sich selbst heraus hervorbringen kann. Denn die Lichtquelle kommt von außen. Es ist nur die Frage, inwieweit der Mensch das Licht hereinlässt und ihm die Augen dafür geöffnet oder gereinigt werden. Der Mensch trägt nur für den Weg des Lichts Verantwortung, nicht für das Licht selbst. Ein gewisses Wachstum im Licht wird durch die genaue Formulierung angedeutet. Wenn nun dein ganzer Leib licht ist, so dass er keinen finsteren Teil mehr hat. Also können alle finsteren Bereiche in uns vertrieben werden. Es ist ein Prozess. Und am Ende haben wir keine finsteren Bereiche mehr. Das ist ein extrem starkes Argument pro Heiligung, besonders vor dem Hintergrund des angezeigten Wachstums: keinen finsteren Teil mehr. Denn das zeigt, dass das Licht schon vorher angefangen hat, die Finsternis zu vertreiben. Das ist aber kein unendlicher Prozess, bei dem immer noch eine Restdunkelheit verbleibt. Die Vertreibung der Finsternis kennt ein klares Ziel und Ende, und das schon in diesem Leben: Unser Leib kann so völlig licht werden, dass keine Finsternis mehr darin wohnt. Und wir sind nur deshalb so hell, weil uns ein Licht von außen hell mit seinem klaren Strahl beleuchtet.

Interessant ist, dass Jesus dann auch kurz darauf in Lk 12, 12 betont, dass die Gläubigen mit der Hilfe des Heiligen Geistes rechnen können. Die Zusage bezieht sich zwar auf Verfolgungen. Aber es klingt schon an, dass der Heilige Geist derjenige ist, den die Jünger Jesu anderen Menschen voraushaben.

Auch bei Lukas werden immer wieder in der einen oder anderen Form die Voraussetzungen genannt, die ein wahrer Jünger Christi erfüllen muss. Wie wir in Lk 9, 23-25 gesehen haben, müssen wir bereit sein, unser Leben ganz für Jesus aufzugeben. Und in Lk 12, 30-40 geht es darum, sich völlig unabhängig von äußerem Besitz zu machen. Wir müssen bereit sein, alles aufzugeben. Dann erst kann unser Herz ganz auf himmlische Dinge ausgerichtet sein. Wir müssen bereit sein, Gott mehr als alles zu lieben und unseren Nächsten, wie uns selbst (Lk 10, 27). Und wir müssen uns (Lk 21, 5ff) mehr als alles andere auf die Wiederkunft Jesu einstellen, innerlich vorbereiten und dürfen uns so darauf freuen, dass alles andere im Vergleich dazu zur Nebensache wird.

Warum erwähne ich das an dieser Stelle? In diesem Buch geht es darum zu prüfen, ob es möglich ist, ein reines Herz vollkommener Liebe gegenüber Gott und den Menschen von Gott geschenkt zu bekommen und darin zu leben. Und klar ist, dass keiner, der nicht die von Jesus genannten Voraussetzungen dazu erfüllt, dazu qualifiziert ist. Wir reden hier von den Perlen Gottes. Niemand braucht an dieser Stelle weiterlesen, bevor er das nicht persönlich mit Gott geklärt hat. Denn Gottes Wahrheiten erschließen sich IMMER nur dem, der die Herzensvoraussetzungen dafür mitbringt (Joh 7,17). Sie können nicht von dem erfasst werden, der sich ihnen nur logisch rational mit einer kalt abstrakten Theologie nähert, ohne sich selber auf den Weg zu machen, Gottes Wahrheit mit seinem eigenen Leben zu erfahren (Joh 1, 22).

In Lk 14, 25-35 greift Jesus das Thema radikal notwendiger Nachfolge noch einmal auf und schließt sogar kategorisch aus, dass man sein Jünger sein kann, wenn man irgendetwas mehr liebt als ihn und nicht täglich sein Kreuz auf sich nimmt. Wenn diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind, hat das Salz seine Kraft verloren und kann nur noch weggeworfen werden. Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Wie barmherzig allerdings Jesu ist, wird bei Lukas auch deutlich.

Lk 17, 1-4 N
Seht euch also vor! Wenn dein Bruder sündigt, weise ihn zurecht; und wenn er Reue zeigt, vergib ihm. Und wenn er siebenmal am Tag an dir schuldig wird und siebenmal wieder zu dir kommt und sagt. ‚Es tut mir leid!‘, sollst du ihm vergeben!“

Diese Stelle ist ein starker Hinweis darauf, dass Sünde traurige Realität im Volk Gottes ist. Und sie geschieht nicht nur als einzelner Ausrutscher, sondern in geballter Form. Und doch ist das auch nur eine Seite der Medaille. Denn demjenigen, der so oft zur Vergebung aufgefordert wird, wird dabei ein hohes Maß an christlicher Vollkommenheit abverlangt! Er soll pausenlos vergebungsbereit sein. Das merkten die Jünger gleich. Sie fühlen sich unfähig dazu. Darum kommen sie mit einer Bitte zu Jesus.

Lk 17, 5 N
Stärke unseren Glauben!

Ja, sie wissen: Alles was Jesus von ihnen will, können Sie nur durch den Glauben an Gottes Möglichkeiten umsetzen.

Kurz darauf wendet sich Jesus gegen Menschen, die in ihren Augen gerecht sind.

Lk 18, 9-17 N
Dann wandte sich Jesus einigen Leuten zu, die voller Selbstvertrauen meinten, in Gottes Augen gerecht zu sein, und deshalb für die anderen nur Verachtung übrig hatten. Er erzählte ihnen folgendes Gleichnis. „Zwei Männer, ein Pharisäer und ein Zolleinnehmer, gingen zum Gebet in den Tempel. Der Pharisäer stellte sich hin und betete für sich. ‚Ich danke dir, Gott, dass ich nicht so bin wie die anderen Menschen, all diese Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder wie dieser Zolleinnehmer dort. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von all meinen Einkünften.‘ Der Zolleinnehmer jedoch blieb weit entfernt stehen und wagte nicht einmal, zum Himmel aufzublicken. Er schlug sich an die Brust und sagte. ‚Gott, sei mir gnädig. Ich bin ein Sünder.‘ Ich sage euch. Dieser Mann wurde von Gott für unschuldig erklärt, der andere nicht. Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird von Gott erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, wird von Gott erhöht werden.“

Das ist ein sehr starkes Argument gegen die Möglichkeit, eine gottwohlgefällige christliche Vollkommenheit erreichen zu können. Indirekt schreit diese Bibelstelle praktisch danach, dass wir uns selbst geißeln. Die Anerkennung und Betonung unserer eigenen Sündhaftigkeit ist der einzige Ausweg aus der selbstgerechten Überheblichkeitsfalle des Pharisäers. Nur wer seine Sündhaftigkeit einsieht, kann Gottes Anerkennung finden und verdirbt sich nicht durch Stolz.

Beim genaueren Hinsehen geht es aber nicht um die positiven Dinge, die der Pharisäer zugegebenermaßen tut, sondern um seine Einstellung dazu. Er schreibt das alles sich selber zu – und nicht Gott. Und DAS tadelt Jesus. Wenn es also eine christliche Vollkommenheit gäbe, für die die Gläubigen ausschließlich Gott alle Ehre geben würden, dann stände sie in keinem Widerspruch zum Tadel Jesu am scheinheiligen Pharisäer. Außerdem geht es in dieser Geschichte in erster Linie um die Art und Weise, wie wir überhaupt zu Anerkennung bei Gott kommen können. Nämlich nicht durch eigene Anstrengung, sondern nur durch Buße, indem wir vor Gott anerkennen, dass wir Sünder sind. Es geht aber nicht darum, ob oder wie wir als Sünder, denen vergeben ist, nach unserer Annahme bei Gott für Gott leben können.

Und auch das Lukasevangelium ist voller Wunder und Heilungen. Lukas als Arzt beschreibt sie ausführlich: Jesus treibt unreine Geister aus, heilt Fieberkranke, reinigt Aussätzige, lässt Lahme wieder gehen, stellt verdorrte Hände wieder her, weckt Tote auf, stillt Stürme und Blutflüsse, befreit Besessene, richtet Verkrümmte auf, heilt Wassersüchtige, gibt Blinden das Augenlicht, vermehrt Fische und Brot.

Jesus wird uns als großer Arzt vorgestellt. Seine Heilungskraft für den menschlichen Körper kennt keine Grenzen. Sein Wirken in der Natur ist souverän. Beschränken sich das Handeln und der Heilungswille Jesu aber nur auf das Äußere und den Leib des Menschen? Macht Jesus nicht vielmehr immer wieder klar, dass es ihm eigentlich um das Innere des Menschen geht?

Lk 11,39-40 S
Da sprach der Herr zu ihm: Nun, ihr Pharisäer, ihr reinigt die Außenseite des Bechers und der Schüssel, euer Inneres aber ist voll Raub und Bosheit. Ihr Toren! Hat nicht, der das Äußere schuf, auch das Innere gemacht?

So ist jedes Heilungswunder Jesu auch ein Bild dafür, was Jesus als der große Arzt im Inneren des Menschen tun kann: Er erweckt uns innerlich zum Leben und öffnet uns die Augen für Gott. Er richtet uns wieder auf und lässt uns Lahme für Gott in die Welt gehen. Er stillt den Fluss der Unreinheit von uns. Er treibt den unreinen Geist aus uns aus. Er stillt den Sturm in uns und gibt uns seinen Frieden. Er macht uns von unserem Sünden-Aussatz rein und befreit uns aus unseren Süchten. Er lässt diese verdorrten Gebeine wieder leben und heilt uns aus unserem Fieberwahn. Er gibt uns das Brot des Lebens und alles was wir zum Leben brauchen.

Gibt es irgendeine Einschränkung der Heilungs- und Befreiungsmacht Jesu? Ich kenne keine. Und auch Lukas nicht. Jesus können wir uns anvertrauen, dann werden wir gesund.

Lk 24, 45-49 N.
Dann öffnete er (Jesus) ihnen die Augen für die Schrift und half ihnen, sie zu verstehen. So steht es geschrieben, erklärte er ihnen, und so musste der Messias leiden und sterben und am dritten Tag danach von den Toten auferstehen. Und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, predigen, dass sie zu Gott umkehren sollen, um Vergebung der Sünden empfangen zu können. Ihr seid Zeugen für das alles. Und seid gewiss. Was mein Vater euch versprochen hat, werde ich zu euch herab senden. Bleibt so lange hier in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe ausgerüstet worden seid.

Die Vergebung Jesu, die wir erfahren, wenn wir zu ihm kommen, macht den Kern des Evangeliums aus.

Im Missionsbefehl nach Lukas liegt der Schwerpunkt auf der Umkehr und der Sündenvergebung derer, die das Evangelium hören. Man könnte auslegen, dass das alles ist, worum es im Evangelium geht. Umkehr und Vergebung. Und die Frage bleibt offen, wie weit ein Mensch umkehren kann und wo er an seine Grenzen stößt. Viel hat Jesus im Lukasevangelium schon deutlich gemacht, aber am Ende seines Evangeliums weist Lukas noch einmal auf die Quelle der Befähigung hin, andere Menschen zu seinen Jüngern zu machen: Bleibt so lange hier in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe ausgerüstet worden seid. Vom Heiligen Geist alleine ist alle Befähigung und Bevollmächtigung zu erwarten. Nur in seiner Kraft können die Jünger Jesus und den Menschen in rechter Weise dienen. Damit wird eine Brücke geschlagen zum Beginn des Evangeliums.

Lk 3, 16 N
Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.

Der heilende und befreiende Arzt Jesus und die Ausrüstung mit dem Heiligen Geist und mit Feuer sind unsere einzige Hoffnung, das Leben leben zu können, das Gott von uns erwartet.

 

Zusammenfassung Lukasevangelium

Im Lukasevangelium gibt es einige starke Hinweise, dass eine völlige Reinigung und Heiligung der an Jesus Gläubigen möglich ist: Zacharias preist Gott angesichts des Kommens Jesu. Er erwartet, dass wir jetzt endlich unser Leben für Gott gerecht und heilig leben können. Jesus selbst stellt uns als seinen Jüngern in Aussicht, dass er uns ganz zu dem machen kann, was er selber ist: Wir können wie unser Meister sein. Die Lichtworte Jesu werfen ein helles Licht in unser Inneres: Wenn wir unsere Augen reinigen, kann jede Dunkelheit völlig aus uns vertrieben werden. Die Taufe mit dem Heiligen Geist und mit Feuer bringt Gottes Heiligkeit und sein sonst unnahbares heiliges Feuer in unser Leben. Gott kann uns vor Versuchungen bewahren und unseren Glauben so stärken, dass wir sieben Mal 70 Mal am Tag vergeben können. Jesus kann uns Vollmacht über die ganze Macht des Feindes geben. Wir können zu guten Menschen werden, die Gottes Willen und Gutes tun, zu guten Bäumen, die gute Frucht bringen.

Doch es gibt auch starke Gegenargumente gegen diese klare Hoffnung. Wir als Menschen, und sogar wir als Jünger SIND böse, sagt Jesus. Wir sind Sünder, die ständig die Vergebung Jesu brauchen. Ohne diese Einsicht sind wir selbstgerecht und stolz.
Jeder muss nun für sich selbst entscheiden: Ist unsere schlechte Ausgangslage hoffnungslos? Oder hat unser großer Arzt Jesus alle Möglichkeiten, uns zu heilen und zu verändern? Ja, Lukas macht uns Hoffnung. Und doch bleibt Jesus oft auf der Ebene bildhafter Rede. Und er weckt so eine große Sehnsucht in uns, Jesus selber zu erleben. Doch es steht fest: Jesus will seine Jünger mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Ist das der entscheidende Unterschied? Werden wir so zu den Menschen, die Gott gebrauchen kann? Wenn wir das erleben wollen, müssen wir die Bedingungen erfüllen: Wir müssen unser Leben und Eigenleben um Jesu willen verlieren, innerlich völlig frei von materiellen Dingen werden, Jesus und seine Wiederkehr mehr als alles andere erwarten, Gott mehr als alles und unseren Nächsten so lieben, wie uns selbst. Ja, unsere ganze Hoffnung ruht auf dem Heiligen Geist und unserer Taufe mit Feuer. Jesus befiehlt uns, auf den Heiligen Geist zu warten. Erst der Heilige Geist wird uns zum Dienst befähigen. Er wird uns Kraft geben, Gott so zu dienen, wie er es will.

 

Für mich persönlich wird bei Lukas das Sündenproblem jedes Menschen beim Namen genannt, so wie es ist. Aber niemand wird darauf festgelegt. Allen, die an Jesus glauben wird große Hoffnung gegeben, dass Jesus stärker ist als Sünde, Tod und Teufel.

Trotzdem bewerte ich aufgrund der stärker bildhaften Verheißungen das Lukasevangelium für mich mit offen im Hinblick auf die mögliche völlige Heiligung der Gläubigen.

 

contra

Lk 11, 13 E
„Ihr, die ihr böse seid“

Lk 17, 1-4 N
Und wenn er siebenmal am Tag an dir schuldig wird und siebenmal wieder zu dir kommt und sagt. Es tut mir leid! sollst du ihm vergeben!“

Lk 11, 3 N
Und vergib uns unsere Sünden!

Lk 18, 9-17 N
Jesu Zurechtweisung des selbstgerechten Pharisäers

pro

Lk 1, 74-75 S+F.
Dass wir, erlöst aus der Hand unsrer Feinde, ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor ihm.

Lk 17, 1-4 N
Und wenn er siebenmal am Tag an dir schuldig wird und siebenmal wieder zu dir kommt und sagt. Es tut mir leid! sollst du ihm vergeben!“

Lk 6, 40 S
Der Jünger ist nicht über dem Meister; wenn er aber ganz vollendet ist, so wird er sein wie sein Meister.“

Lk 3, 16 N
Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.

Lk 10, 19 E
Siehe, ich gebe euch die Gewalt, auf Schlangen und Skorpionen zu treten, und über die ganze Kraft des Feindes, und nichts soll euch irgendwie beschädigen.

Lk 11, 33-36 S
Wenn nun dein ganzer Leib licht ist, so dass er keinen finsteren Teil mehr hat, so wird er ganz hell sein, wie wenn das Licht mit seinem Strahl dich erleuchtet.

 

Meine Beobachtungen